Samstag, 31. Dezember 2011

Bildschnitzer Steiner

Zum Jahresende etwas drehbuchloses: Den meiner Meinung nach besten Film von Werner Herzog - passt ja ein wenig zur Jahreszeit (und kurz ist er obendrein):

Die große Extase des Bildschnitzers Steiner


Donnerstag, 22. Dezember 2011

Berliner Business

Frédéric Jäger schreibt auf critic.de über: Berlin für Alle - Kosslick, Schweiger und die dffb. (es sei wärmstens empfohlen, die dort verlinkten Artikel zur Vertiefung und Erhellung zu studieren)

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Bedürfnistheorien in der Drehbuchentwicklung

Angelika Unterholzner hat auf ihrem Blog FLIX einen lesenswerten Eintrag über emotionale Zuschauerbindung verfasst, der verschiedene  Bedürfnistheorien aus der Verhaltenspsychologie im Zusammenhang mit dem drehbuchtheoretischen "need" in Verbindung bringt: psychologische Grundlagen zur Drebuchentwicklung

Montag, 12. Dezember 2011

Black List 2011

Zum Jahresende veröffentlicht "Black List" wieder eine Liste mit den besten, noch unproduzierten Büchern des Jahres (in Hollywood): BLACK LIST 2011

Freitag, 9. Dezember 2011

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Written By

Neu für mich: Die WGA (Writers Guild of America) gibt eine Publikation heraus, die man in digitaler Form kostenlos lesen kann: Written By

Montag, 14. November 2011

Cesare Zavattini - Some Ideas On The Cinema



Man kann den italienischen Neo-Realismus nicht ohne Cesare Zavattini denken. Ohne Zavattinis Drehbücher wäre De Sica wohl immer der "Schauspieler, der auch selber Filme macht" geblieben, stammen doch "Die Fahrraddiebe", "Umberto D.", "Das Wunder von Mailand" und "Schuhputzer" alle aus Zavattinis Feder. Zavattini ging es darum, ein Kino ohne verfälschende Effekte zu produzieren, um den Blick auf das "reale" Leben frei zu machen.
Ich bin zufällig auf den folgenden Text von Zavattini gestoßen, in dem er u. a. verdeutlicht, warum eine alltägliche Handlung wie z.B. "Eine Frau geht Schuhe kaufen" (nicht nur ein Thomas Bernhardscher Einakter sondern auch) die Handlung eines abendfüllenden Spielfilms sein kann. Im folgenden erklärt er, wie: Zavattini - Some Ideas On The Cinema

Samstag, 12. November 2011

10 Fragen - Fred Breinersdorfer

Fred Breinersdorfer muss man deutschen Filmschaffenden nicht mehr vorstellen. Spätestens nach dem ausgezeichneten Fernsehfilm "Der Hammermörder" (1990) mit einem eindringlichen Christian Redl in der Hauptrolle standen Breinersdorfer aller Türen offen: Unzählige Tatorte, die Serie "Anwalt Abel", die international erfolgreiche Kinoproduktion "Sophie Scholl" und viele weitere Fernsehfilme stammen aus seiner Feder. Außerdem engagiert er sich im Namen des VDD und der neugegründeten "Deutsche Akademie für Fernsehen" für die Rechte von Drehbuchautoren.


1. Warum schreibst Du? 

Keine Ahnung. Macht Spaß.


2. Wie schreibst Du?
  
Im Bett, am Schreibtisch, im Flieger, in Cafés, im Park (dort nicht im Winter) im Zug (wenn er fährt).
  
3. Hast Du ein Lieblingswort?

Nöö. 

4. Wie entsteht ein Stoff?

Meistens habe ich morgens beim Aufwachen die besten Ideen. 


5. Wie strukturierst Du Deinen Stoff?
Intuitiv.


6. Kunst oder Quote?
Beides. 

7. Kino oder Fernsehen?
Beides.


8. Nenne 3-5 Lieblingsfilme/-Serien! 
Ich gucke fast nie Serien. Habe deswegen keine Liebling.


9. Drehbuchautoren in der Öffentlichkeit?
Ich helfe mit an der Imagepolitur durch Präsenz und Überzeugung.


10. Dein wichtigster Ratschlag:
Drehbuchschreiben ist ein weitgehend überschätzer Beruf. Finger davon lassen, wenn man es nicht 150% will.

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10 Fragen an:
Andre Georgi
Peter Probst

Freitag, 11. November 2011

Video: Das Fernsehen stößt an seine Grenzen

via cn-casting network:
Die Deutsche Akademie für Fernsehen: Geht´s noch?! - Das Fernsehen stößt an seine Grenzen
Ein Zusammenschnitt der Podiumsdiskussion der neugegründeten Akademie am Vortag des Deutschen Fernsehpreises 2011:
Videomitschnitt

Donnerstag, 10. November 2011

Deutsche Drehbücher zum Download

Der Podcast des VDD Stichwort Drehbuch bietet ab sofort auf seiner Seite (endlich!) deutsche Drehbücher zum Download an: Drehbücher
Man darf hoffen, dass die Database schnell wächst.

Mittwoch, 9. November 2011

Pinter spielt Beckett

Der neben Samuel Beckett wohl bekannteste britische Dramatiker (und Drehbuchautor von Filmklassikern wie Joseph Losey's "The Servant" und "Accident") des 20. Jh. und Nobelpreisträger Harold Pinter war parallel zu seiner Autorentätigkeit auch immer Schauspieler (er spielte einige seiner Stücke selbst). In dieser sehr späten Aufnahme, kurz nach seiner ersten Krebserkrankung, spielte er für eine BBC-Aufzeichnung Samuel Beckett's "Krapp's Last Tape":

Dienstag, 8. November 2011

Theater Of The New Ear

Der Filmkomponist Carter Burwell hatte die Idee eines Audio-Theaters, was man mit einem Live-Hörspiel vergleichen könnte. Er konnte dafür nicht nur Joel & Ethan Coen, Charlie Kaufman und Francis Fregoli für sich gewinnen die jeweils ein audio-play geschrieben haben, sondern auch folgende Schauspieler zur Mitarbeit bewegen: Steve Buscemi, Hope Davis, Peter Dinklage, Philip Seymour Hoffman, Brooke Smith,  John Goodman, Jennifer Jason Leigh, Tom Noonan und eine akzentfreudige Meryl Streep (die "Old Black Lady" zB wird von ihr gesprochen).
Auf seiner Homepage beschreibt Burwell das Projekt folgendermaßen:
"This is a concert for music and text, or a set of "sound plays". Frankly we don't know what the hell to call it.
Musicians and actors perform without staging or set, all seated behind music stands. The visual elements are minimalized. As the poster says "Leave your eyes at home."


"Sawbones" von Joel & Ethan Coen:






"Hope Leaves The Theater" von Charlie Kaufman:


"Anomalisa" von Francis Fregoli konnte ich nicht finden leider.

Samstag, 22. Oktober 2011

Interview: Richard Blank


Richard Blank schreibt seit über 30 Jahren Drehbücher, dreht Dokumentar- Fernseh- und Kinofilme, schreibt Hörspiele und in den letzten Jahren auch vermehrt Bücher. Im Alexander-Verlag erschienen neben einem Abriss über die Schauspielkunst des 20. Jahrhunderts das historische Standardwerk "Film & Licht" und in diesem Jahr "DREHBUCH. Alles Auf Anfang - Abschied von der Klassischen Dramaturgie".

1) Wie kann man ihr Buch "Drehbuch. Alles auf Anfang - Abschied von der Klassischen Dramaturgie" als Drehbuchautor so verwenden, dass es die Schreibarbeit bereichert? 

Das Buch ein zweites Mal lesen und dabei die Hoffnung, Rezepte zu finden, aufgeben. Vielleicht überträgt sich aber etwas von meiner Haltung. Dann: die Filme anschauen, die im Buch besprochen werden und nicht der "klassischen" Dramaturgie folgen. Sie sind so unterschiedlich, dass man Mut bekommen kann, die "klassischen" Regeln beiseite zu lassen  und anfängt,  neugierig auf sich selbst zu werden, auf das, was man in sich hat und ausdrücken will. 

2) Die zahlreichen Ratgeber, die mittlerweile auch den deutschen Markt bevölkern, haben gemeinsam, dass sie dem angehenden Drehbuchautoren eine Ausbildung im Handwerk für seine Kunst liefern wollen. Wieviel ist davon nützlich bevor es schädlich wird?

Natürlich ist es nützlich, zu  wissen, wie man eine spannende Story baut. Ich bin Krimifan. Wenn man aber glaubt, Story, Held, Antagonist, psychologische Stimmigkeit, etc. seinen unabdingbar für einen Film, dann liegt man daneben. Ich persönlich habe meine Filme gemacht, ohne je eines der Rezeptbücher gelesen zu haben. - Eine weitere Möglichkeit, mit diesen Büchern umzugehen: mein durch einen Sportunfall verstorbener Sohn Sebastian wollte Filme machen wie sein Vater, aber natürlich ganz anders. Eines Tages entdeckte ich auf seinem Schreibtisch das Buch von Syd Field. Später erzählte er, er habe das Buch nach 20 Seiten Lektüre in die Mülltonne geworfen. 2009 erhielt er posthum - trotz oder gerade wegen des Verzichts auf die Rezepte von Syd Field und Co. - für seinen Kurzfilm "Brief an einen Freund" den Publikumspreis von Venedig. 

3) Neben Kino spielt sich der Großteil der Fiktion in Deutschland vor allem im Fernsehen ab. Fernsehfilme jeglicher Couleur, dazu nochmal ebenso viele Serien: Ist es durch den Einfluss der TV-Anstalten schwieriger, unkonventionelles/innovatives Erzählen erfolgreich zu verwirklichen? Oder ist gerade der Bildungsauftrag der Garant dafür, dass Experimente überhaupt möglich sind?

"Das" Fernsehen besteht aus einzelnen Redakteuren. Darunter gilt es jene zu finden, die glücklich sind, wenn ein Autor/Regisseur ihnen als Person begegnet und nicht als Produktionsmaschine. Den guten Readakteur zeichnet die Fahigkeit aus, herauszufinden, was ein Autor/Regisseur kann und was er nicht kann und ihn so zu beinflussen, dass er bei der Arbeit das Beste aus sich herausholt. Die Leute, mit denen ich beim BR oder WDR gearbeitet habe, sind inzwischen pensioniert oder verstorben. Meinen letzten Spielfilm "Matthäuspassion" habe ich 2006 gedreht. Rund 30 Jahre lang konnte ich das machen, was ich machen wollte. Natürlich kostet das Überzeugungskraft und Mut und - ein Tipp: mit der Besetzung der Hauptrolle zum Redakteur gehen, wenn man ihm das Buch bringt, und:  hoch besetzen. Bei mir waren es u.a. Hannelore Schroth, Marianne Hoppe, Katharina Thalbach, Ortrud Beginnen,  Bernhard Wicki, Ulrich Wildgruber und (früh) Axel Milberg - alles auch Theaterschauspieler, die gerne und selbst zu gedämpften Preisen etwas machen, das sie nicht jeden Tag machen können. Die Castingfrau für die Hauptrollen vergessen, die Leute selbst ansprechen. 

4) Als ich das Kapitel über das Mysterienspiel gelesen habe und ihre Ausführungen bezüglich des "Bildhaften" fiel mir zum einen sofort Bunuels "Obskures Objekt der Begierde" ein, dass Sie ja dann später im Buch auch erwähnen und zum anderen die Filme Emir Kusturicas, der von sich sagt, er mache Filme im Stil einer vergangenen Tradition (er erwähnt immer wieder Fellini als Haupteinfluss).
Ist das von Ihnen beschriebene Kino des Bildhaften ein Kino der Vergangenheit, dessen Ausbreitung im Laufe der letzten Jahrzehnte erstickt wurde und ihr Buch eher ein nostalgischer Blick zurück? 

Polemische Frage, polemische Antwort:  Von wegen nostalgischer Blick! Nostalgisch ist doch der dauernde Rückblick auf das längst gestorbene klassische Drama und den ersten Protagonisten der Hollywood-Story Cecil B. DeMille (v.a. seine Filme aus der ersten Hälfte der 20er Jahre, mit denen er Griffith aus dem Feld schlug). Glaubt denn einer wirklich,  man könne endlos an der Realität, wie sie uns die Naturwissenschften heute zeigen (Näherers dazu in meinem Buch) und die uns in der Literatur, im Theater, im Hörspiel begegnet, vorübergehen als wäre die ganze Welt ein Hollywood-Festival? Glaubt einer wirklich, nur und allein im Film könne man endlos die Welt unter einen Story-Bogen klemmen, wo  Held und Antagonist uns zeigen, wie einfach unsere Realität doch ist. Das Tollste ist dabei die Behauptung,  in der Geschichte der Menschheit habe es nie etwas anderes gegeben! Der ewige Arche-Plot, - wahlweise zum Totlachen oder zum Kotzen! 

5) Ist unsere Zeit vergleichbar mit jener Mitte der 60er in Hollywood, als das Fernsehen begann, dem Kino den Rang abzulaufen und man durch die immer aufwendigere Produktionen das Anathema verlängert hatte? Daraus folgten ja im amerikanischen Kino das vielgelobte "New Hollywood"-Kino der kleinen Filme.

Wir sollten uns nicht immer mit den USA vergleichen, sonderen uns mehr auf unsere eigene Tradition besinnen. Mir scheint aber, dass "New Hollywood" ein relativ übersichtlicher Aufbruch gegen das "klassische" Hollywood war, während heute Internet und Billigkameras dabei sind, das "klassische" Story-Kino zu atomisieren.

6) Paradoxerweise gilt in Deutschland in der letzten Dekade, dass Experimente (wenn überhaupt) eher noch im Fernsehen stattfinden, als im Kino - obwohl das Fernsehen das trägere Medium ist. Da Filme ohne Fernsehgelder nicht mehr  möglich sind, muss man fragen: Bremst sich das Finanzierungssystem von Förderung und TV-Anstalt nicht gegenseitig aus? 

Wir müssen das Geld nehmen, wo wir es kriegen können. Was das Ausbremsen betrifft, so sollten wir vor allem darauf achten, uns nicht selbst auszubremsen. 

7) In Deutschland hat man in den letzten beiden Dekade eine dualistische Sichtweise entwickelt, in der sich "Mainstream" und der alles andere umfassende Begriff "Arthouse" gegenüberstehen. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Wie ist da ihr Buch zu positionieren?

Über diese Frage gibt es ein Extra-Kapitel in meinem Buch. Die beiden Begriffe sind Schlagworte des schnellen Kommerz. Wer hat wohl den Begriff "Arthouse" in die Diskussion gebracht? Doch nicht etwa Ophüls, Bunuel, Fellini oder andere Europäer! Und drehen Kaurismäki, Lars von Trier, Miklos Janscó oder Wong Kar Wai ihre Filme, weil sie "Arthouse" -Filme machen wollen?

8) Wie sehen Sie die Erfolgschancen auf ein erweitertes Bewusstsein für unterschiedliche und neue Arten der Dramaturgie? 

"Neu" würde heißen: gegen das "klassische" Hollywood. Darauf kommt es aber nicht an! Wir müssen unser Ding machen, d.h. es wird viele verschiedene  dramaturgische Ansätze geben, die den Autoren und ihren Themen entsprechen, auch Storys wird es weiter geben, aber ohne die verbindliche Norm zu sein,-  und damit befinden wir uns auf einer Ebene mit einem  (in meinem Buch mehrfach zitierten) Satz der modernen Naturwissenschaft, der sagt, dass man von "Realität " heute gar nicht mehr sprechen kann, sondern nur noch von "Realitäten":-  erweitertes Bewußtsein, hoffen wir das Beste!
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Am 11.Dezember 2011 wird das Buch in der Deutschen Akademie der Künste in Berlin vorgestellt und diskutiert und im November/Januar 2012 im Münchner Filmmuseum (mit anschließender Vorführung von Blanks "Prinzenbad", mit Bernhard Wicki in der Hauptrolle).
Im vergangenen September erschien in "DER FREITAG" ein Porträt zu Richard Blank: Der Paradies-Vertriebene.


Freitag, 21. Oktober 2011

Jeff Nichols: "Take Shelter"

Drehbuchautor und Regisseur Jeff Nichols hat mit seinem ersten Film "Shotgun Stories" zwar nicht den großen kommerziellen Wurf gelandet, aber in Kritikerkreisen für großes Lob gesorgt. Nichols Film wurde vom "Wunderkind" David Gordon Green mitproduziert (ich möchte auch jedem dessen sehr schönen ersten Film "George Washington" ans Herz legen, den Green im Alter von 25 Jahren gedreht hat) , schlägt "Shotgun Stories" in jene Kerbe von jungen amerikanischen Filmen, die abseits der US-Küsten und der Großstädte spielen und im Kleinen, öfter auch eher Ärmlichen nach großen Geschichten suchen (ohne gleich in moralingesäuertem Sozialdrama zu versinken). Neben Jeff Nichols und den ersten Filmen Greens "George Washington" & "Undertow" sollte man auch Scott Teems' "That Evening Sun" (mit einem starken Hal Holbrook) und Debra Graniks "Winter's Bone" hervorheben.
Zurück zu Jeff Nichols: Nachdem er schon in "Shotgun Stories" von der kraftvollen Darstellerkunst seines Hauptdarstellers Michael Shannon profitieren konnte, hat er Shannon auch für seinen neuen Film für sich gewinnen können - "Take Shelter" (Leider noch kein Kinostarttermin für Deutschland), in dem ein Vater langsam von der Furcht zerfressen wird, seine Familie nicht mehr beschützen zu können und ,angeregt durch apokalyptische Träume, beginnt, sich einen Schutzbunker zu bauen.
Der überaus sympathische Nichols spricht mit großem Enthusiasmus über seiner Arbeit am Buch und am Film:



Hier steht Nichols mit seinen Hauptdarstellern Michael Shannon und Jessica Chastain ("Tree of Life") Rede und Antwort:

Donnerstag, 20. Oktober 2011

"Doctor's Diary" wird eingestellt

Seltsam: Da hat man nach Jahren wieder eine erfolgreiche deutsche Eigenproduktion im Senderprogramm und dann scheitert es offiziell an terminlichen Problemen?
DWDL schreibt: " Der berufliche Erfolg, der an der Serie vor und hinter der Kamera beteiligten Personen, machte eine gemeinsame Terminfindung für den Dreh einer neuen Staffel schwierig".
Natürlich gönnt man Bora Dagtekin, Florian David Fritz und Diana Amft den Erfolg außerhalb der Serie, ebenso RTL mit Fictionchefin Barbara Thielen, die dem High Concept Stoff das Vertrauen ausgesprochen haben, ohne es verwässern zu wollen. Nur zeigt es auf der anderen Seite, dass die Serie in Deutschland, selbst wenn sie ein durchschlagender Erfolg ist/war, immer noch nicht genug geschätzt wird - nicht vom Sender, der nicht nachhaltig (großzügig) genug war, aber auch nicht bei den Kreativen, die das Fernsehen nicht als das sehen wollen, was es ist: das Kino mit den meisten Plätzen. Ernüchternd. Hier der Artikel: http://www.dwdl.de/nachrichten/33268/hoffnung_aufgegeben_rtl_stellt_doctors_diary_ein/

Freitag, 14. Oktober 2011

Neues von Ulrich Seidl



Die Filme von Ulrich Seidl sind nicht einfach zu verdauen. Seidl richtet seine Kamera dahin, wo die Gesellschaft ihre sogenannten Leichen bunkert. Das von ihm präferierte Erzählverfahren ist eine übergangslose Mischung aus Fiktion und Dokumentation, so dass bei ihm beide Gattungen austauschbar werden und für den Zuschauer gleichzeitig nah und befremdlich wirken. "Sozialpornograph" wurde er früher gerne beschimpft und das, obwohl seine Dokumentationen wie pessimistische Kehrseitenstücke zu Werner Herzogs Filmen wirken, aber ebenso stark strahlen. Kein Wunder, dass Herzog ihm seinen Kameramann Peter Zeitlinger weggeschnappt hatte und ihn seitdem mit 3 Filmen pro Jahr auslastet, sodass Seidl mittlerweile mit Ed Lachmann erfolgreich zusammen arbeitet.
Treffend ist deswegen auch sein neuestes dokumentarisches Langzeitprojekt "Im Keller", in dem er das Verhältnis der Österreicher zu ihren Kellern beleuchten will (die Projektidee entstand vor solchen Fällen wie Fritzl etc). In der online-Ausgabe des Filmmagazins "Ray" gibt's ein neues Interview mit ihm, wo er außerdem erläutert warum der kommende Episodenfilm "Paradies" auf drei Einzelfilme erweitert wurde: Seidl-Interview

Sonntag, 2. Oktober 2011

David Simon Lecture

Nachdem nun David Simons Buch "Homicide" endlich auch in der deutschen Übersetzung erschienen ist, findet man im Folgenden (dank einem Blog-Eintrag beim Filmmagazin Cargo) eine lecture des "The Wire", "The Corner", "Generation Kill" und "Treme"-creators:


Frank Porter Graham Lecture 2011 with David Simon from James M. Johnston Center on Vimeo.

PS: Bevor "The Wire" auf der Bildfläche erschienen ist, gab es in den 90ern bereits eine Serie, die auf David Simons Buch basiert. Der Autor Paul Attanasio ("Quiz Show") kreierte "Homicide - Life In The Streets" in einer realistischen Weise (und vom Tonfall her näher an Simons Buch als "The Wire"), die ein wenig den "docu-fiction"-Ansatz vorweg nimmt und ebenfalls uneingeschränkt zu empfehlen is.t

Montag, 26. September 2011

Scriptnotes Podcast (John August & Craig Mazin)

Da ich die John Augusts Seite nur selten frequentiere, bin ich froh, dass es noch Angelika Unterholzners schönen Blog Flix gibt, auf dem ich den Hinweis zu diesem neuen Podcast lesen konnte: Scriptnotes (John August & Craig Mazin)

Mittwoch, 21. September 2011

Dear Mr. Malkovich

Ein AMC Pilot:
John Malkovichs Produktionsfirma bekommt täglich neue pitch-letters, in denen Drehbuchautoren (und solche die es werden wollen) ihre Geschichten anbieten. In dieser Doku-Serie werden die etwas speziellen Briefe zum Absender zurückverfolgt, um der Drehbuchidee auf den Grund zu gehen:

Dustin Lance Black

Dustin Lance Black hat in seinen jungen Jahren schon viel erreicht: mit 35 Jahren gewann er den Oscar für sein eigenwilliges Drehbuch "Milk" (Regie: Gus van Sant) zum Biopic über Harvey Milk. Als Jugendlicher, der selbst im Land der Mormonen aufgewachsen war und der seine homosexuellen Neigungen aufgrund der prüden Umgebung verschweigen musste, war er geradezu prädestiniert, für die exzellente, hierzulande viel zu wenig beachtete HBO-Serie "Big Love" zu schreiben, die von einer heimlich polygamen Familie im Land der Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints (auch bekannt als die Mormonen) handelt. Black's Faible für Stoffe, in denen Menschen Doppelexistenzen führen, lässt sich auch in seinem neuesten Buch "J. Edgar" (Hoover, Begründer des Federal Bureau of Investigation), diesmal für Clint Eastwood, erkennen:


Im folgenden noch ein zweigeteiltes Interview mit Black:


Montag, 19. September 2011

Wüstenfuchs

Teamworx/Nico Hoffmann dreht für den SWR einen Film über den Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der während des zweiten Weltkriegs dank militärischer Erfolge in Afrika von den Nationalsozialisten zum "Mythos" hochstilisiert wurde, aber sich gegen Ende von Hitler abwandte, da dessen Endsieg-Wahn auf Kosten der Wehrmacht Rommels soldatisches Fundament erschütterte. Die Historiker sind sich immer noch nicht komplett einig, ob und wie Rommel mit der Widerstandsgruppe und dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 verbunden war.
Diese Grauzone der Gewichtungen sorgt nun bei Erwin Rommels Sohn Manfred Rommel und dessen Tochter Cathérine Rommel für Unmut; empfinden sie doch das Drehbuch, das ihnen zwei Wochen vor Drehbeginn vorgelegt wurde, als dem Leben ihres Vaters/Großvaters nicht gerecht.
In den Stuttgarter Nachrichten ist folgendes zu lesen:
""Da wurde ein intensiver Entwicklungsprozess, der mindestens zwei Jahre dauerte, auf sieben Monate vor Rommels Tod verkürzt", sagt auch Manfred Rommels Tochter Cathérine. Außerdem werde in dem Film die Tochter von Adeligen auftauchen, deren Schloss in Frankreich zu Rommels Befehlszentrale wurde. "Diese Comtesse, die einen Anschlag auf Rommel plant, gab es nie." Auch die Todesszene, als der Kriegsheld Besuch von zwei Generälen hat, die ihn der Verschwörung gegen Hitler beschuldigen und zum Selbstmord auffordern, stört Cathérine Rommel: "Da werden den Beteiligten Worte in den Mund gelegt, die nach unserer Auffassung so nicht gefallen sein können." Rommel werde als Spielball zunächst von Hitler, dann der Verschwörer dargestellt. Das werde seiner Persönlichkeit nicht gerecht.""

Das Buch und die Regie hat Niki Stein übernommen, der laut Süddeutscher Zeitung die Geschichte als "Königsdrama und Kriminalfilm" begreift.
Da sich um das Maß der Beteiligung am "Königsmord" bis heute gestritten wird, sind kritische Reaktionen vorprogrammiert - was wohl generell so ist bei Stoffen über die jüngere deutsche Geschichte. 
Die Frage ist eine alte: Wie weit darf/soll man einen historischen Stoff den Regeln des Dramas opfern? Sollte man als Autor/Produzent zugunsten des Plots Figuren erfinden und zeitliche Abläufe zusammenraffen, obwohl Rommels Leben ausführlich dokumentiert ist (das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hatte 2009 eine umfangreiche Ausstellung zum "Mythos Rommel" kuriert, die nun durch Deutschland tourt) und Familienmitglieder wie Zeitzeugen noch am Leben sind? Da das Thema in Deutschland ein delikates ist, ist Akkuratesse in historischen Fragen sicherlich angebracht; laut Süddeutscher Zeitung äußern sich die zugezogenen Historiker folgendermaßen: "Steinbach und Neitzel testieren dem Skript eine historische Präzision, lobend wird herausgestellt, dass Regisseur Stein mit der künstlerischen Freiheit zur Ausgestaltung der Dialoge und Szenen 'sorgfältig' umgehe." Dass Rommels Familie ihren Vorfahren in verhältnismäßig gutem Licht dargestellt sehen will, ist verständlich und doch ist die Kritik nicht nur tendenziell, sondern präzise (siehe oben).
Bis man sich ein eigenes Urteil machen kann wirds noch etwas dauern: der Film wird seit einer Woche gedreht.


Edit: Frank Schirrmacher hat sich zur Situation nun auch zu Wort gemeldet: http://www.faz.net/artikel/C30280/umstrittenes-filmprojekt-um-einen-rommel-von-innen-bittend-30688697.html

GSU?

Der schmale Grad zwischen Essenz und Simplifizierung:

http://scriptshadow.blogspot.com/2011/08/article-gsu.html 

klingt einfach - leider muss es doch wieder relativiert und modifiziert werden:

http://scriptshadow.blogspot.com/2011/09/article-g-in-gsu.html

Donnerstag, 25. August 2011

Martin McDonagh: Six Shooter

Der irische Theater- und Filmautor Martin McDonagh hatte mit "Brügge sehen und sterben" ("In Bruges") ein höchst amüsantes und gleichzeitig melancholisches Drama geschaffen, in dem Colin Farrell und Brendan Gleeson zwei zu Touristen degradierte Killer spielen, die sich mit den großen Fragen des Lebens beschäftigen. Für seinen ersten, davor erschienen Kurzfilm "Six Shooter" (ebenfalls mit Brendan Gleeson) hatte er sich bereits einen Oscar abgeholt.
Hier kann man sich das Werk anschauen:



Zusatz: 30 min Interview mit Martin McDonagh

Sonntag, 14. August 2011

Dennis Potter - The Last Interview

Nun zu etwas persönlichem: Ich habe Dennis Potters Mini-Serie "The Singing Detective" (1986) zum ersten Mal vor einigen Jahren auf alten, auf dem Flomarkt erworbenen VHS Kassetten sehen dürfen - Sprachlosigkeit, Verzückung, Freude, Ehrfurcht, Glück. Seitdem hat sich das Genre der Mini-Serie für mich in vielen weiteren Gestalten (Matroesjkas, Traffik, State Of Play, Epitafios, Forbrydelsen, Pennies From Heaven, La Piovra, GBH, Der große Bellheim usw) bestätigt.
Dennis Potter zählt zu Englands herausragendsten Autoren fürs britische Fernsehen und sein "Singing Detective" zu den besten Fernsehereignissen aller Zeiten. Seit er als junger Erwachsener plötzlich von der ihn später lebenslang quälenden Krankheit Psoriasisarthritis befallen wurde, war das Schreiben für ihn nicht nur geistige, sondern auch körperliche Schwerstarbeit (die Arthritis ließ seine Hände zu Fäusten verkrampfen). Vor diesem Hintergrund liest sich die Synopsis des "Singing Detective" dramatisch:
"Mystery writer Philip E. Marlow is suffering writers' block and is hospitalised because his psoriatic arthritis, a skin and joint disease, is at a chronic stage forming lesions and sores over his entire body, and partially cripples his hands and feet. As a result of constant pain, a fever caused by the condition, and his refusal to take medication, Marlow falls into a fantasy world involving his Chandleresque novel, The Singing Detective, an escapist adventure about a detective (also named "Philip Marlow") who sings at a dance hall and takes the jobs "the guys who don't sing" won't take."
Also: Ein durch Psoriasisarthritis gelähmter, zynischer Schriftsteller halluziniert sich durch Episoden seiner Kindheit und die Handlung seines Kriminalromans und erkennt, woher sein Kunstdrang und seine Inspiration kommt.
Es gibt noch so viel zu berichten (und ich ahne, dass ich später an anderer Stelle auf diesem Blog sicher auch noch näher darauf eingehen werde), aber wichtig für das folgende Interview ist, dass Potter, während er sich 1994 um seine an Krebs erkrankte Gattin gekümmert hatte, erfahren musste, dass er selbst an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war und nur noch wenige Wochen zu leben hätte. The South Bank Show's Melvyn Bragg konnte Potter zu einem letzten Interview überreden:


PS: Es erschien 2003 eine Hollywood-Filmversion vom "Singing Detective" mit Robert Downey jr. und Mel Gibson nach einem Original-Drehbuch von Potter, von dem ich dringendst abraten will.
PPS: HIER schreibe ich über Potters frühes TV-Play "A Beast With Two Backs".

Dienstag, 2. August 2011

Frank Pierson - On Hollywood and Cinema

Frank Pierson ist vor allem bekannt für seine Arbeiten mit Regisseur Sidney Lumet: "Hundstage" (Dog Day Afternoon) und "The Anderson-Clan". Als Teil der vielgerühmten 60-70er Jahre in Hollywood hat sich Pierson aber vor allem auch durch das Buch zu "Cool Hand Luke" ("Der Unbeugsame") um einen Platz neben William Goldman, Arthur Penn und Francis Coppola verdient gemacht.
Hier plaudert der Gute während eines Vortrags aus dem Nähkästchen:

Samstag, 30. Juli 2011

Charlie Kaufman - Masterclass

Über Charlie Kaufman muss man nicht viele Worte verlieren, denn kaum ein Drehbuchautor hat durch seine Strukturexperimente in den letzten 10 Jahren einen derart unverwechselbaren Eindruck im amerikanischen Film hinterlassen. Hier eine 70-minütige Masterclass:

Dienstag, 26. Juli 2011

10 Fragen - Peter Probst

Peter Probst ist Drehbuchautor (u.a. verschiedene Tatorte, zuletzt "Jagdzeit" für den BR; "Die Hebamme - Auf Leben und Tod") und Buchautor (bisher zwei Krimis um Kommissar Schwarz: "Personenschaden", "Blinde Flecken" und zusammen mit seiner Frau Amelie Fried die Reihe "Taco und Kaninchen"). Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von München.


1.Warum schreibst Du?


Glaubt dem Probst kein Wort“, das war die übliche Reaktion in meiner Schulzeit, wenn ich eine Geschichte erzählte. Dabei passierten mir wirklich ständig merkwürdige und komische Dinge. Gut, manchmal habe ich meine Beobachtungen ein wenig ausgeschmückt oder wegen der Spannung in eine andere Ordnung gebracht. Aber gab das meinen Klassenkameraden das Recht, mir den Mund zu verbieten? Weil das Erzählen so dringend zu meinem Leben gehörte, habe ich in dieser Zeit zu schreiben begonnen. Vor allem Tagebuch, aber auch kleine Erzählungen. Meine literarischen Einflüsse waren so zufällig wie der Griff in die Bibliothek meines verstorbenen Großvaters, der Mitglied im Bertelsmann Lesering gewesen war. „Drei Kameraden“ von Erich Maria Remarque hat mich damals sehr beeindruckt und Gides „Die Falschmünzer“. Warum, weiß ich nicht mehr.


2. Wie schreibst Du?

Wenn es irgendwie geht, schreibe ich jeden Tag, weil ich sonst mit mir unzufrieden bin. Ich schleppe mich morgens noch halb ohnmächtig an den Computer und kontrolliere erst mal die Welt bei Facebook. Meistens weckt irgendein Posting mein Interesse, und mein Hirn beginnt zu arbeiten. Wenn es richtig auf Touren ist, wechsle ich zum aktuellen Exposé, Treatment oder Drehbuch. Ich habe das große Glück in einem Häuschen im Garten arbeiten zu können. Auf diese Weise werde ich weniger vom Familientrubel gestört, und bin trotzdem gleich da, wenn es zum Beispiel was zu essen oder spannende Nachrichten gibt. Seit einem halben Jahr habe ich ein MacBook, auf das ich auch Final Draft geladen habe. Die Software verwende ich aber nicht, genauso wie ich immer noch mit zwei Fingern schreibe. So werde ich durch technische Hindernisse wenigstens ein bisschen gebremst und zum Nachdenken gezwungen.

3. Hast du ein Lieblingswort?


Sehnsucht. Das schreibe ich aber nie in meine Drehbücher.


4. Wie entsteht ein Stoff?

Leider komme ich immer weniger dazu, eigene Geschichten zu entwickeln, weil Redakteurinnen und Produzenten so viele gute Ideen haben. „Möchtest du nicht was über eine Hebamme im frühen 19. Jahrhundert schreiben?“ Das wäre mir nie eingefallen. Ich hatte mich ja nicht mal mit Hebammen im 21. Jahrhundert beschäftigt. Trotzdem ist ein guter Film draus geworden. Ich kann mir Stoffe, die von anderen kommen, gut anverwandeln. Meistens sind es auch nur vage Ideen, entscheidend ist die Ausarbeitung. Ich würde lieber zwei Drehbuchfassungen mehr schreiben als ein Treatment. Doch darauf lassen sich die wenigsten Auftraggeber ein. Trotzdem halten sie sich hinterher nicht an die Absprachen aus der Treatmentbesprechung. Für mich selbst würde ein Szenenfahrplan mit Bemerkungen zu jedem Bild reichen. Nachdem ich früher fast nur erfunden habe, schätze ich inzwischen die Recherche. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es mir gelungen ist, in meinen Büchern sämtlichen Bereichen auszuweichen, von denen ich keine Ahnung hatte – bloß um nirgendwo anrufen zu müssen.

5. Wie strukturierst Du einen Stoff?

Da ich seit vielen Jahren angehende Drehbuchautoren unterrichte, bemühe ich mich, beim Schreiben die Theorie eher zu vergessen. Ich habe die Dramaturgie so verinnerlicht, dass ich beim Bau einer Geschichte meinem Instinkt folgen kann. Manchmal verwende ich Kärtchen für die Szenen, um andere Anordnungen ausprobieren zu können. Wenn mich meine erste Fassung nicht überzeugt, lasse ich sie eine Weile liegen. Mit etwas Distanz finde ich die dramaturgischen Fehler meistens recht schnell.

6. Kunst oder Quote?

Diese Frage stellt sich eigentlich nicht, weil wir alle unter dem Diktat der Quote stehen. Es geht viel mehr darum, dem Medium eine möglichst hohe Qualität abzuringen, ohne dabei das Publikum zu verlieren. Ich glaube, die wenigsten Drehbuchautoren verstehen sich als Künstler. Sauer werde ich, wenn mir Redakteure, Produzenten oder Regisseure zu sehr ins Handwerk pfuschen oder alles besser wissen zu meinen. Aber das ist nicht die Regel. Meistens verläuft die Zusammenarbeit recht produktiv.
 
7. Kino oder Fernsehen?

Ich bin Drehbuchautor geworden, weil ich das Kino liebe, und schreibe für das Fernsehen. Das hat damit zu tun, dass ich öfter erlebt habe, wie ein Projekt an der Finanzierung gescheitert ist. Angeblich hat es nie am Drehbuch gelegen. Ich will aber, dass meine Geschichten realisiert werden, bin ungeduldig und möchte außerdem weiter vom Schreiben leben. Da kann ich es mir nicht leisten, auf das Kino zu setzen. Trotzdem mache ich immer wieder einen Versuch. Halte mir die Daumen, dass es dieses Mal klappt. Zum Glück gehört das deutsche Fernsehen zu den weltweit führenden, und es passiert selten, dass ich mich für die Verfilmung eines Drehbuchs in Grund und Boden schämen müsste. Selbstverständlich wünsche ich mir von meinen Auftraggebern noch mehr Mut, inhaltlich und formal.

8. Nenne 3-5 Lieblingsfilme/-serien!
 
Six feet under.
Fargo.
Besser geht’s nicht.
The snapper.
Magnolia.

9. Drehbuchautoren in der Öffentlichkeit?


Es ist ein Witz, wie wenig Beachtung Drehbuchautoren finden. Es kommt vor, dass Kritiker explizit die Geschichte loben, ohne den Autor zu erwähnen. Auch wenn es lästig ist und larmoyant wirken mag, sollte man immer wieder darauf hinweisen, dass es ohne Drehbuchautoren keine Filme gäbe. Ich beobachte, dass immer mehr Zuschauer denken, wir würden nur Dialoge oder Regieanweisungen für Geschichten schreiben, die von „echten Schriftstellern“ stammen. Dabei sind Adaptionen ja die Ausnahme. Die meisten Drehbuchautoren sind Individualisten, trotzdem sollten sie sich dem Verband der Drehbuchautoren (VDD) anschließen, der ihnen eine Stimme gibt.

10. Dein wichtigster Ratschlag?

Schau weniger auf die anderen und entwickle das, wofür du wirklich begabt bist.
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Montag, 25. Juli 2011

Jugendschutzbeauftragte stoppt neuen "Polizeiruf"

Da im neuen BR "Polizeiruf" der Staat als macht- und hilflos dargestellt wird, hat die Jugendschutzbeauftrage eingegriffen und eine Verschiebung der Ausstrahlung von 20:15 Uhr auf 22:00 Uhr erwirkt:
http://www.sueddeutsche.de/medien/kritik-an-br-polizeiruf-der-hilflose-staat-1.1124211

Freitag, 15. Juli 2011

Paul Abbott

Der Drehbuchautor und Producer Paul Abbott begann seine Karriere beim britischen "Lindenstraße"-Pendant "Coronation Street", bis er für die zweite Staffel von "Cracker" als Producer arbeitete und für die dritte Staffel auch zwei Bücher beisteuerte. Durch diesen Wechsel von der Soap zu "ernsthaften" Fernsehstücken konnte er darauf in einem Jahr drei Serien unterbringen: "Reckless", "Springhill" und die überaus erfolgreiche Krimiserie "Touching Evil".
Doch neben der Miniserie "State Of Play" (die von Hollywood kürzlich mit Russell Crowe als Film adaptiert wurde) ist es vor allem die Serie "SHAMELESS", die mittlerweile in der 8ten Staffel gelaufen ist, die Abbotts herausragende dramaturgische Fähigkeiten dokumentiert. In den "Shameless"-Büchern trifft die Leichtigkeit der Soap mit der Charaktertiefe "ernsthafter" Dramen zusammen und beweist die Richtigkeit des zu oft zitierten Sprüchleins: "Komödie ist Tragödie Plus Zeit." Erzählt wird die Geschichte einer Arbeiterfamilie von Frank, dem alkoholkranken Oberhaupt der Sippe.
Was neben der erfrischenden Tabulosigkeit, die nie ins Obszöne abdriftet, sondern durch die großartig geschriebenen Folgen abgefedert wird, ist die Tatsache, dass die Geschichten (immer gleichmäßig zwischen Drama und Komödie pendelnd, ohne aber in dieses schrecklich  Plastik-Genre "Dramedy" abzudriften) laut Abbott vor allem aus seinen persönlichen Kindheitserinnerungen stammt. Hier das herzergreifend offene Interview:

PS: "Shameless" wurde dieses Jahr mit William H. Macy in der Hauptrolle für's amerikanische Fernsehen adaptiert.

Montag, 11. Juli 2011

Autorenstreik 1973

Im Spiegel-Heft Nr. 21 aus dem Jahr 1973 erschien ein Artikel zum damaligen Autorenstreik in Hollywood. Klingt alles recht gegenwärtig: Gorilla im Streik

Sonntag, 10. Juli 2011

Gift für die Fernsehkultur - Interview mit Eva und Volker A. Zahn

Eva und Volker A. Zahn haben vor einiger Zeit für Tina Thieles Portal "casting-network" ein lesenswertes Interview gegeben, auf das ich hier verweisen will:
Gift für die Fernsehkultur

Eva und Volker A. Zahn schreiben für verschiedene Krimiformate und Fernsehspiele. Für ihren Film "Ihr könnt euch niemals sicher sein" erhielten sie 2009 den Adolf-Grimme-Preis.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Schirachs "Verbrechen" im ZDF

Das ZDF hat über Oliver Berbens Produktionsfirma eine - man höre und staune - Mini-Serie in Auftrag gegeben: Schirachs Bestseller "Verbrechen", in dem der Anwalt sich durch die Schilderung tatsächlicher, von ihm verteidigten Fälle, ein wenig das Herz erleichtert. Es sollen 6 in sich abgeschlossene Geschichten erzählt werden, die u.a. Andre Georgi, Nina Grosse und Jobst Oetzmann fürs Fernsehen adaptieren.
Da die einzige Horizontale der werte Herr Anwalt ist, könnte man die Episoden als kurze, abgeschlossene Krimis betrachten, die durch ein Konzept zusammengehalten werden, was an Produktionen wie Jimmy McGoverns "Accused" erinnert, das Anfang des Jahres erfolgreich auf der BBC lief. Man darf gespannt sein!

Mittwoch, 22. Juni 2011

Kreativität kontra Quote

Das deutsche Fernsehen: Leit- oder Lightmedium?
Deutschlandfunk: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1484425/

ZDFs "Flemming" ermittelt via Twitter

Das ZDF versucht weiterhin die neuen Medien, die man heutzutage gerne mit dem Neologismus "Facebooktwitter" bezeichnet, zu nutzen, um neue Zuschauergruppen zu generieren. Nachdem Dinah Foxx sich allein im Internet verlaufen hat und kaum jemand nach ihr suchen wollte, versucht man nun, den wortgewannten "Flemming" via Sonderfolge über verschiedene Tweets einen Fall zu lösen:
http://www.horizont.net/aktuell/digital/pages/protected/ZDF-praesentiert-vollstaendige-Folge-von-Flemming-bei-Twitter_100896.html

Ob der Autor nun nach Tweets bezahlt wird, bleibt mal Spekulation.

Den Versuchen, aus "gut gemeint" irgendwann ein "gut" zu machen, soll hier auf jeden Fall Respekt gezollt werden, ebenso wie die konsequente Weiterentwicklung des Experimentalsenders "ZDF.kultur".

Montag, 13. Juni 2011

Stimmen zur Filmförderung

"Die Zeit" hat 6 kurze Statements von Produzenten, Schauspielern und Regisseuren zusammengetragen, in denen Gedanken über das System der Filmförderung geäußert werden:
ZEIT

Dienstag, 31. Mai 2011

Rudolf Thome

Seit seinem Film "Rote Sonne", indem er u.a. Uschi Obermaier in einer feministischen Männer-mordenden WG den Terrorismus der 70er Jahre planen lässt, bringt Rudolf Thome mit für deutsche Verhältnisse schneller Frequenz seine Filme in die Kinos, die sich irgendwo zwischen Mainstream und Arthaus eine eigene Thome-Nische eingerichtet haben.
Die meisten Drehbücher schreibt Thome selbst und schon lange nutzt er das Medium Internet, um die Öffentlichkeit an seinem Arbeitsprozess teilhaben zu lassen.
Auf der Website seiner Produktionsfirma MOANA veröffentlicht Thome in Form eines Blogs  neben seinen Tagebuchnotizen auch eine taggenaue Dokumentation seines Schreibprozesses mit anschließender Veröffentlichung des kompletten Drehbuchs:

""Bedienungsanleitung" für die, die meine Arbeitsweise noch nicht kennen

 Als ich angefangen habe, die Drehbücher meiner Filme selbst zu schreiben, habe ich mir gesagt, du musst das Schreiben so organisieren wie das Drehen - also einen Schreib/Dreh-Plan machen. Der sieht so aus: Ich sitze 10 Tage da und mache mir handschriftliche Notizen. Am 11. Tag fange ich an, das richtige Drehbuch zu schreiben - ohne Rücksicht auf das, was mir eingefallen ist – beim Notizen machen. Am 28. Tag bin ich fertig... weiterlesen"
Dort kann man die Drehbücher vollständig einsehen.



Im Kalender kündigt Thome außerdem jeden Sendetermin eines seiner Filme an, die ich ausnahmslos weiterempfehle.



Mittwoch, 25. Mai 2011

All Watched Over By Machines Of Loving Grace - Adam Curtis

Schon wieder kein direkt mit dem Drehbuchschreiben verbundener Eintrag auf diesem Blog, aber wenn man die Porduktionsphase des Schnitts als neue Überarbeitung des Drehbuchs definiert (jeder der einen Film geschrieben hat und dann auch noch selber schneiden durfte, wird mir da zustimmen), dann hat man den Kreis ja doch irgendwie wieder geschlossen. Wie auch immer:
Die Dokumentationen, die Adam Curtis seit Jahrzehnten produziert, gehören zu den aufregendsten dieses Genres. Die bekanntesten Arbeiten der letzten Dekade, The Power of Nightmares, The Century of the Self und The Trap sind jeweils dreiteilige Fernseharbeiten für die BBC mit 60 Minuten Laufzeit pro Folge.
Das Herausragende an Curtis' Dokumentationen ist der Schnitt: Mit einer Fülle von Archivmaterial kommentiert er seine Gedankengänge und konstruiert Zusammenhänge, die er stehts selber im Off spricht. Immer wieder sind Interviewfetzen mit Wissenschaftlern, Ökonomen, Professoren usw, eingestreut, die Curtis' Thesen bestätigen, eine Richtung geben oder für überraschende Plotpoints sorgen, während über die gesamte Zeit unterstützende Musik gespielt wird, oftmals orchestrale oder minimalistische Punktionen, die immer wieder von popkulturell bekannten und durch ihren Text herrlich die Bilder karikierenden Stücken unterbrochen werden. Zusätzlich erscheinen große Zwischentitel mit kurzen Hints und Statements.
Die manipulative Kraft, die in dieser Art des Filmemachens innewohnt, hat Curtis selbstkritisch in seinem Film "It felt like a Kiss", der ohne Kommentar nur aus Bildern, Musik und Zwischentiteln besteht und mit deutlicher Ironie Zusammenhänge kreiert, die an Alexander Kluges Fernseharbeiten erinnern.
Curtis zeigt seit dieser Woche nun sein neuestes Werk auf der BBC:



Adam Curtis' Blog

Natürlich muss man nicht mit Curtis' Thesen über den Einfluß von Ideologien auf Gesellschaft und Politik übereinstimmen, genau genommen sind sie gelegentlich recht abenteuerlich deduziert, aber wenn man Curtis' Arbeiten von einem filmästhetischen und erzählerischen Standpunkt aus betrachtet, dann kann man als Drehbuchautor viel über Kontrapunktion zwischen Wort und Bild und damit über Subtext und Thema mitnehmen, was in die eigene kreative Arbeit einfließen könnte.

PS: Auf youtube hatte ich vor einiger Zeit mehrere seiner Dokumentationen gesehen, konnte sie jetzt auf die Schnelle nicht finden.

Montag, 16. Mai 2011

La Semaine de la Critique & MUBI

Dieser Post ist nicht explizit Drehbuch-verwandt, aber ich will hier trotzdem auf folgendes Angebot hinweisen:

"MUBI und La Semaine de la Critique du Festival de Cannes feiern 50 Jahre aufregendes Programming der Sektion, und zeigen eine Retrospektive aus der Geschichte des Festivals. Durch die Unterstützung des 4+1 Film Festivals sind die ersten 1000 Ansichten der Filme bis zum 30. Juni kostenlos."

Wer einen MUBI oder Facebook-Account hat, sollte die Möglichkeit nutzen, Filme online kostenlos zu schauen:
 FILMS FOR FREE

Sonntag, 15. Mai 2011

BAFTA: Screenwriters on Screenwriting

Die British Academy of Film and Arts (BAFTA) bietet auf ihrer Internet-Seite ein großes Archiv an Interviews und sogenannten Lectures mit Fernseh-und Filmschaffenden.
Unter dem Banner "Screenwriters On Screenwriting" findet man dort sechs ausführliche Lectures mit Drehbuchautoren:
Peter Morgan, Sir David Hare, Simon Beaufoy, Aline Brosh McKenna, Christopher HamptonSir Ronald Harwood.

Screenwriters On Screenwriting (etwas runterscrollen zu "Watch the Lectures" und auf die jeweiligen Fotos klicken, dort dann unter den angebotenen Videos entwerder kurze Highlights oder die komplette Lecture auswählen)

Mittwoch, 11. Mai 2011

Peter Morgan

Der Wahlwiener Peter Morgan ("The Queen", "Frost/Nixon"), der zur Zeit an einem Projekt über die Rivalität zwischen den Rennfahrern James Hunt und Niki Lauda (die Saison, in der Lauda seinen Unfall hatte und nach 6 Wochen wieder im Rennwagen saß) arbeitet, spricht hier über sein vorheriges Projekt "Hereafter" (Regie: Clint Eastwood).



Zur Zeit verfilmt Fernando Meirelles ("Blindness") Morgans Skript "360", basierend auf Arthur Schnitzlers "Reigen".

Sonntag, 8. Mai 2011

SpOn Interview mit Liane Jessen

Christian Buß hat für Spiegel Online anlässlich des neuen Frankfurt-"Tatort" mit der HR Fernsehspielchefin Liane Jessen ein Interview geführt: Liane Jessen zum neuen "Tatort"

Donnerstag, 5. Mai 2011

BBC Writers Room

Auf durch Suche nach Informationen und Interviews zu Paul Abott (dazu in einem späteren Post mehr) bin ich wieder auf die BBC Writers Room-Site gestoßen, über die ich schon ein paar Mal gestolpert bin, aber nie länger verweilt habe. Was ich fast verpasst hätte:
- Writing Tips
- Writers Room - Blog
- Interviews
- Send Us Your Script (we read every submission![vorausgesetzt, Sie wohnen in UK])
und fast zu wundervoll, um wahr zu sein:
BBC Script Archive: produzierte Beispiel-Scripts zu allen möglichen Serien, Filmen, Mini-Serien und Soaps.

(Der einzige Wermutstropfen wäre vielleicht die nationale Sperre für die Videos auf dem Blog.)

Mittwoch, 4. Mai 2011

Interview: Roland Zag

Roland Zag ist Dramaturg, den Produzenten, Drehbuchautoren und Redakteuren vor allem durch seine Seminare und Veranstaltungen kennen könnten, in denen er seine Theorie vom human factor und dem “Publikumsvertrag” erläutert.
In seinem Buch “Der Publikumsvertrag” und dem begleitenden Blog “the human factor”, auf dem er neue Kinofilme regelmäßig auf ihren human factor abklopft, erläutert Roland Zag seine dramaturgische Herangehensweise und schätzt die Geschichten nach ihrem sozialen Beziehungsgeflecht ein. Norbert Maass gibt im Anschluss zu jeder Rezension eine Markteinschätzung ab und vergleicht diese später mit dem tatsächlichen Ergebnis.




1. Was ist der human factor und wie ergibt er sich im Publikumsvertrag?

human factor ist kein Gegenstand, kein Ding, das man anfassen kann. human factor ist eine Denkweise. Eine bestimmte Art, auf Drehbücher zu schauen, und die sozialen Prozesse darin genau zu untersuchen.
Der Schlüssel zur emotionalen Wirkung eines Films liegt in der Intensität der Beziehungen und Bindungen der Figuren. Nun gibt es unglaublich viele Arten von Filmen, und auch unglaublich viele Zuschauer mit bestimmten Wertvorstellungen, Prioritäten und Bedürfnissen.
Der „human factor“ stellt sich in verschiedenen Erzählformen und Genres immer verschieden dar, da gibt es keine Formel und kein Rezept.
Es gibt nur EINE Aussage, die ganz sicher zutrifft: jeder Film wird von Menschen gesehen. Daher ist es wichtig, die Zuschauer mit ihren universellen Bedürfnissen ernst zu nehmen. Denn trotz aller Divergenzen gibt es auch eine universelle Ebene des Menschseins, die von ALLEN Filmen angesprochen wird. Auf die konzentriere ich mich. Und dort sind es die sozialen Prinzipien des Zusammenlebens, die im filmischen Erzählen immer wieder durchgespielt und zur Anwendung gebracht werden. Sie zu studieren lohnt sich.


2. Wie kann man als Drehbuchautor am meisten von dem human factor-Prinzip profitieren?

Indem man sich folgenden Satz groß über den Schreibtisch hängt:
‚Nicht der Held macht die Geschichte, sondern die Beziehung.‘
Es ist ein großes und folgenschweres Missverständnis, immer nur die Hauptfigur in den Fokus zu stellen. Eine Figur allein ist gar nichts. Erst die Beziehung bestimmt ihren Wert. Es gibt Filme mit fünf, sechs Hauptfiguren. Wichtig ist allein: wie stark sind ihre Beziehungen? Wie klar werden die inneren Wertvorstellungen? Welche innere Dynamik teilt sich mit?
Man profitiert ferner, indem man als Autor immer überlegt, wie sich Geben und Nehmen in den Beziehungen der Figuren widerspiegeln.
Man profitiert, indem man sich beständig fragt: „Wo will meine Figur hin? Und wird dieses Ziel nur abstrakt formuliert, oder hat es mit anderen Menschen zu tun?“
Man profitiert ferner, indem man sich ganz grundsätzlich klar macht, zwischen welchen Welten, welchen Polen sich der Grundkonflikt der Story bewegt.

3. Was sollte man nicht vom human factor-Prinzip erwarten?

Simplifizierung sollte man auf keinen Fall erwarten. Das Drehbuchschreiben wird nicht leichter durch den Rückbezug auf den human factor. Das Leben ist komplex, das Drehbuchschreiben dementsprechend auch. Formeln gibt es nicht. Thank’s God!
Vielleicht wäre die Frage besser gestellt: „Was sollte man vom human factor nicht befürchten?!“ Darauf würde ich gerne Antworten: vor jeder Art von Gleichschaltung oder Schematik braucht man sich nicht zu fürchten. Denn jeder Film ist anders, und er wendet sich an ein anderes Publikum. Wenn ich mit Autoren arbeite, verwende ich mein Vokabular so wenig wie möglich. Es geht immer nur darum, den Autoren verständlich zu machen, dass ihre Charaktere keine Schachfiguren sind, die man hin und her schiebt, sondern lebendige Wesen, die durch ihre Bindungen Netze bilden, mit denen man sorgsam umgehen muss. Man muss also lernen, vernetzt zu denken.

4. Wie steht dem entgegengesetzt dazu der „Kunstvertrag“? Und warum die dualistische Aufteilung?

Wir Menschen sind evolutionsbiologisch auf dualistische Polaritäten trainiert. Daher denke ich gerne zwischen Extremen.
Der Publikumsvertrag steht ganz global gesprochen für universelle Wünsche und Bedürfnisse, die für ALLE Menschen gelten. Er folgt also einer ent-individualisierten, überpersönlichen Betrachtung.
Der Kunstvertrag dagegen pocht auf Individuelles, Einzigartiges, auf Regelverstöße, Innovationen, Störung der Routine. Auf Musterunterbrechung. Beides ist beim Drehbuchschreiben gleich wichtig. Dazu korrespondieren auch die Zielgruppen zwischen Mainstream und Arthouse. Alles, was wir filmisch gestalten, bewegt sich zwischen diesen Polen: dem Wunsch nach funktionierender Kommunikation (man will sein Publikum erreichen, berühren, fesseln, erschüttern), aber auch dem Wunsch nach originärer künstlerischer, eigenständiger Verwirklichung (man will unverwechselbar sein, eigen, wahrhaftig). Insofern markieren Publikumsvertrag und Kunstvertrag zwei entgegengesetzte Prinzipien, die beide gleichberechtigt nebeneinander stehen und für unterschiedliche Autoren unterschiedliche Rangordnung haben.


5. Welche Drehbuchtheorien und dramaturgische Ansätze hältst Du für brauchbar?

Ich habe nie ein Buch gelesen, das ich unbrauchbar fand. Alles hat mich inspiriert. Letztlich aber geht mein Ehrgeiz mehr in die Richtung der konkreten, persönlichen Beratung und Zusammenarbeit mit Autoren. Da kommt es nicht mehr so sehr auf die brillante Theorie an, sondern auf die feinstoffliche Beziehung, die ich zu jedem Autoren wieder neu aufbauen kann – oder auch nicht. Insofern interessiert mich weniger die Frage: „wer hat die beste Theorie?“ sondern „Von wem lerne ich am besten den menschlich-feinfühligen Umgang mit Autoren?“ Im Juni werde ich in Paris Robert McKee hören. Ich erwarte mir Einiges in Sachen Charisma, Überzeugungskunst. Hoffentlich kann ich was lernen.


6. Kann man das amerikanische System überhaupt nach Europa und Deutschland 1:1 übertragen?

Dazu kann ich leider ganz und gar nichts Fundiertes sagen. Mein Eindruck ist, dass in Amerika die TV-Serie die Königsdisziplin ist, wo sich eine Menge tut. Auf diesem Gebiet bin ich aber ein absoluter Ignorant und daher für jegliche Arbeit im TV-Bereich ungeeignet.

7. Haben die Deutschen eine besondere Erzählweise?

Ja sicher. Weniger die Erzähltechnik ist unterschiedlich. Eher der Umgang mit Gefühlen. Starke Emotionen sind hier eher tabuisiert. Verwundbarkeit ist eine Qualität, auf die es extrem ankommt. Die wenigsten Autoren finden allein und ohne äußere Hilfe – wenn überhaupt – zu den wirklich verwundbaren Punkten ihrer Figuren. Darin sind die Amerikaner, wie mir scheint, doch sehr weit und sehr offen. Auf diese Verwundbarkeit der Figuren aber kommt es gerade im Kino mehr als auf alles andere an.

8. Warum gibt es kaum deutsche Drehbuchtheorien?

Tja --- ist das so?! Nie darüber nachgedacht. Ich halte auch gar nicht so viel von Theorien. Sie sind nötig, das stimmt, und sie sollten in sich stimmig sein, um ein möglichst stabiles Denkgebäude zu errichten. Aber die Dinge verändern sich. Ich denke täglich neu und anders über Drehbücher nach. Jeder Autor verlangt ein neues Vokabular, eine neue Metaphorik. Jede Beratung erfordert andere Werkzeuge, andere Worte, Zwischentöne, Nuancen.
Wir brauchen keine neuen Theorien, sondern Autoren, die offen sind für Ratschläge von außen, und Berater, die offen sind für das, was die Autoren eigentlich wollen. Dann ist die Welt für mich in Ordnung.

Freitag, 29. April 2011

Joe Eszterhas

Bekannt durch "Das Messer", "Basic Instinct", "Music Box", "Sliver" und dem von Kritikern wie Publikum gleichsam geschätzten "Showgirls" schreibt Joe Estzerhas auch gerne Bücher über das Geschäft wie zum Beispiel das recht boulevardeske "Hollywood Animal", in dem Sharon Stone, Bill Evans und Michael Ortiz nicht besonders gut wegkommen. Hier stellt er ein neueres Buch (2006) vor, spricht aber viel über seine Erfahrungen als Drehbuchautor:






kleine Anmerkung:
In einer Zeit, in der nur noch Horrorfilme eine höhere Altersbeschränkung aufweisen, würde ein Film wie "Basic Instinct" (man mag davon halten, was man will) nicht mehr realisiert werden. Irgendwie scheint es, als ob das komplette "ab 16"-Segment irgendwo zwischen Animationsfilmen und Comicverfilmungen verschollen ist.

Mittwoch, 20. April 2011

10 Fragen - André Georgi

André Georgi schreibt für Fernsehen (u.a. "Tatort: Absturz", "Maria Brand und die Dame im Spiel") und Kino (zusammen mit Henriette Piper "Löwenzahn - Das Kinoabenteuer"). Außerdem befasst er sich intensiv mit neuen Erzähltechniken und vergleicht die verschiedenen Ansätze zur Drehbuchtheorie - was z.B. hier im Stichwort Drehbuch-Podcast nachzuhören ist.


1.Warum schreibst Du?


Große, große Frage...
Ich hab angefangen, für das Theater zu schreiben, so mit 22. Schriftsteller wollte ich immer schon werden, seit ich mit 15 Kafka gelesen habe, der mich komplett umgehauen hat, wirklich! Meine ersten dramatischen Gehversuche waren aber nicht so ermutigend – oder besser: Ich hab nicht gesehen, wie ich jemals davon würde leben können. Ich hab eine Menge Jobs gehabt, um mich über Wasser zu halten. Irgendwann hatten wir zwei Kinder und ich brauchte ein anderes Leben. Ich bin dann in die Wissenschaft ausgewandert und hab als Philosoph an der Uni Karriere machen wollen. Das ging komplett in die Hosen. Erst sehr spät – mit 35 – hab ich wieder zu schreiben angefangen und Fortbildungen gemacht. Ohne meinen Lehrer Wolfgang Kirchner, der sofort an mein Schreiben geglaubt hat, wäre ich niemals Drehbuchautor geworden. Mein Selbstvertrauen ist auch heute noch nicht das beste. Ich hab an Dramaturgie eigentlich alles gefressen, was es auf dem Markt gibt. Ich hab bei Beth Serlin und David Howard die 8-Sequenzen-Methode gelernt. Beth ist die genaueste und beste Dramaturgin, die ich je kennen gelernt habe. Bei ihr habe ich begriffen, auf welchem Niveau Dramaturgie sein kann.
Meine Einflüsse liegen ansonsten primär in der Theaterliteratur. Der Film wäre meines Erachtens gut beraten, sich in der dramatischen Tradition mehr umzutun, es ist mit heute noch ein Rätsel, wie wenig Filmschüler/Innen sich mit der dramatischen Tradition auskennen. Dabei steckt in Tschechow – zum Beispiel – SHORT CUTS schon längst drin – nur besser.

Was das Schreiben bedeutet?
Wenn ich überlege, welchen Preis ich dafür zahle – Arbeitszeiten, innere und äußere Abwesenheit, Prügel, die ich bekomme, Hörsturz, Tinnitus, jammer, jammer, jammer... – muss ich sagen:
Alles. (Fast alles.)

2. Wie schreibst Du?

Nachdem ich viele Jahre meine Mörder zuhause gejagt habe, leiste ich mir seit fast einem Jahr ein eigenes Büro – eine der teuersten und für mich besten Entscheidungen meines Berufslebens... Beim Schreiben hab ich hauptsächlich drei Probleme: Das Anfangen, das Aufhören und das Mittendrin. Ich löse diese Probleme gerne (und – je nach Standpunkt – höchst effektiv oder ineffektiv), indem ich einfach gar nicht mehr aufhöre – dh nicht, dass ich ständig am Schreibtisch sitzen würde, aber ich kann mich innerlich immer schlechter von den Figuren und Szenen verabschieden. Da hilft es mir ungemein, die Bürotür irgendwann zu schließen und wieder in ein normales Leben zurück zu kehren, in dem es Kinder gibt, Lateinvokabeln, Schnürsenkel für Chucks, Weinhändler, bei dem man guten Grappa bekommt. Und meine Lieblingslektüre: Die Artikel und Bücher meiner Frau.
Schiller hat zum Schreiben den Geruch von faulen Äpfeln gebraucht, mir reicht eine heiße Dusche – vielleicht nicht so wild wie bei Aaron Sorkin, der das fünfmal am Tag braucht... aber ich leb’ auch nicht in der Wüste (L.A.), sondern im Zentrum Ostwestfalen-Lippes, in Puddingtown. Der Vorteil hier ist, dass die Stadt tatsächlich einmal die Woche nach Vanillepudding riecht, dass ist das, was Bielefeld der Welt wirklich gibt. Vielleicht färbt das auf meine Stoffe ab, kann schon sein. Früher haben wir im Wedding gewohnt, 12 Jahre. Der Geruch war eher Hundescheiße. Ich hatte viele gute Idee. Ich schreibe nach Jahren mit Final Draft inzwischen mit Movie Magic Screenwriter, es gibt nichts besseres. Die eigentliche development hell verbringe ich mit drei Geha Füllern (blau, rot und grün) hinter meinen sündhaft teuren DIN A 4-Notizbüchern, säurefrei, damit ich der Nachwelt dazu verhelfe, die Entwicklungswege eines deutschen Fernsehkrimis von Fassung 1 zu Fassung 10 adäquat nachzuvollziehen. Inzwischen weiß ich, dass ich etwa zwei Bücher vollschreiben muss, um aus dem Stoff ein Treatment zu machen. Wenn man mich nur nachdenken lässt, brauche ich etwa zehn Minuten, um an einen schwarzen Punkt zu kommen, dann versinke ich in den unteren Kreisen der Hölle. Deshalb ist es schön, am Ende des Tages Seiten voll geschrieben zu haben. Und man sieht mich in meinem Lieblingscafé morgens um 7:30 – 8:00 dann auch schreibend und lässt mich in Ruhe.
Inzwischen schreibe ich auch wieder on spec. Eigentlich ist das für mich das schönste Schreiben, weil es das freieste ist: Es interessiert nur der Stoff und keine Notizen über die Meinung von Redakteuren oder Produzenten. Allerdings hab ich momentan genug Auftragsjobs, mit denen ich mein Büro bezahle und meine faulen Äpfel.

3. Hast du ein Lieblingswort?


Starte als Tiger und lande als Bettvorleger“.
Die beste Überschrift über das Leben als Drehbuchautor/in in Deutschland.


4. Wie entsteht ein Stoff?

Bei mir ganz unterschiedlich. Ich hab (wie bestimmt alle Autorinnen und Autoren) alles gemacht: Stoffskizze – Exposé – Treatment – erste Fassung. Am liebsten ist es mir inzwischen eigentlich, einfach eine Fassung zu schreiben, wie ich sie mir vorstelle und dann zu schauen, ob sie gewollt wird oder nicht. Ist aber selten. Der Standardweg ist nach wie vor Exposé, Treatment, erste bis xte Fassung.
Ich recherchiere eine Menge – allerdings vielleicht nicht gut, das muss ich zugeben. Ich bin primär ein Mensch, der über Texte aufnimmt – Internet, Bücher. Da kann ich mich reinfressen. Besser wäre es bestimmt, sich in ein Milieu zu vertiefen und mehr zu interviewen. Irgendwie mache ich das nicht mehr. Warum eigentlich? Ich hab mich zweimal auf diese Art tot recherchiert, ich war bestens im Thema drin aber dann war plötzlich die Geschichte weg. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich auch an den Vorrang der Geschichte vor dem Dokumentarischen. Eine Geschichte braucht zwar „Realitätseffekte“, um glaubhaft zu wirken. Aber man darf das nicht überschätzen. Im Normalfall lese ich drei, vier Bücher zu einem Thema, recherchiere im Internet und dann ist – für mich - gut.

5. Wie strukturierst Du einen Stoff?

Ich kenne die Grammatik des Genres, in dem ich schreibe, ziemlich genau. Ich mache mir viele Skizzen zu den Plot-Zügen, die das Genre braucht. Irgendwann übersetze ich das in eine Outline. Eine Outline ist mE das allerbeste Mittel, das wir haben, um einen Stoff zu organisieren. Von Sequenzen oder Heldenreisen bin ich völlig weg, da glaub ich – für den deutschen Fernsehkrimi – nicht dran. Ich bin ein Fetischist, was Figurenkonstellationen angeht, ich mach, glaub ich, nichts genauer als Konstellationen zu entwickeln. Wenn ich weiß, wo Figuren hin wollen und wo sie herkommen kann ich eigentlich schreiben.
Das schönste ist für mich, wenn ich mich in jeder Arbeitsphase überraschen lassen kann. Wenn irgendetwas passiert, dass ich nicht vorher weiß. Wenn ich das Eigenleben des Stoffes spüre. Ich bemühe mich, das beim Schreiben immer zuzulassen, das ist wie eine neue, interessante Begegnung. Und hat etwas von Magie.

6. Kunst oder Quote?

Ach...
Shakespeare war der erste Writer/Producer, den es gab, Montags gab’s im Globe Bärenhatz, Dienstag Hamlet. Jeden Tag mussten 2500 Zuschauer kommen, sonst wäre Hamlet verhungert. Erstaunlich dass das geklappt hat, erstaunlich (ernsthaft!), auf welchem Niveau das Publikum war. Unser Publikum lässt IM ANGESICHT DES VERBRECHENS durchfallen. Oder KDD. Molière war vielleicht der zweite Writer/Producer. Das sollte uns zu hoffen geben....
Film ist Teamwork, es ist gut, Feedback zu bekommen. Manchmal verrenne ich mich oder schreibe Mist. Ich glaube, dass man beim dramatischen Schreiben wahrscheinlich mehr Feedback braucht als bei der Prosa.
Wichtig ist aber, dass alle Beteiligten in etwa dieselben Vorstellungen vom Stoff und mehr noch vom „Ton“ des Filmes haben. Dann ist das Feedback super. Ansonsten ist es ein Geruckel, bei dem die Autorin oder der Autor in ein bestehendes Format eingepasst wird. Ich fürchte, dass das überwiegt. Aber – wie gesagt – es ist zwiespältig: Redaktion und Produktion müssen auch darauf achten, dass ihr Format konstant bleibt und dass die Figuren nicht alle zwei Wochen changieren. Das ist – bei renitenten Autoren – ein Job, den man sich auch nicht unbedingt wünscht!

7. Kino oder Fernsehen?


Ich hab erst (mit einer Kollegin) einen Kinofilm geschrieben (LÖWENZAHN – DAS KINOABENTEUER), kann also nicht wirklich vergleichen.
Ich glaube, dass unser Fernsehen unterschätzt wird (trotz allem). Natürlich gibt es amerikanische Serien, die auf einem anderen Niveau sind als in Deutschland. Aber HBO ist vielleicht dann doch Nischenprogramm. Am Ende komme ich immer bei Kategorien wie „Mut“ an: Ich wünsche mir mehr Mut der Entscheider für ungewöhnliche Figuren und modernere Erzählweisen, tiefere Konflikte. Natürlich. Ich empfinde die derzeitige Landschaft als viel zu wenig innovativ und als zu „konservativ“. Andererseits komme ich – auch immer wieder – bei einer „Publikumsbeschimpfung“ an, die auch nicht adäquat ist: Wie kann man KOMMISSARIN LUND lieben und KDD und vor allem IM ANGESICHT DES VERBRECHENS floppen lassen?
Ich verstehe es nicht.
Ich verstehe es nicht.
Aber ich sage mir: Irgendwas ist an Drehbuchautoren, die auf das Publikum zu schimpfen beginnen, vielleicht auch ganz grundsätzlich falsch.
Dann schimpfe ich weiter. 
8. Nenne 3-5 Lieblingsfilme/-serien!
 
Alles von Guillermo Arriaga.
Klar: The Wire.
Ich bin, was Dialoge angeht, ein Fan von Aaron Sorkin – deshalb: The West Wing. Die Dialoge sind der Hammer – finde ich. Ich lerne extrem viel daraus. Die Ideologie, die in The West Wing verkauft wird, ist eine Katastrophe.
Friends ist die einzige Serie, von der ich alle zehn Staffeln gesehen habe.

Ansonsten: Ich glaube, ich bin für einen Drehbuchautoren ziemlich wenig vom Film geprägt, sondern viel mehr vom Theater. Ich lese mehr Theater als Drehbücher (und als dass ich Filme schaue). Shakespeare, Tschechow, Ibsen und antike Dramen. Heiner Müller, Thomas Bernhard, Koltès, Sarah Kane.

9. Drehbuchautoren in der Öffentlichkeit?

Je länger meine „Karriere“ als Drehbuchautor ist, desto mehr bin ich enttäuscht, wie die Branche mit Autoren umgeht. Eigentlich empfinde ich es als Desaster. Ich kenne auch kaum Autorinnen oder Autoren, denen das anders geht. Unterm Strich weiß ich nicht, woran es liegt. Vielleicht sind wir auch verblendet oder jammern zu viel. Glaub ich aber eigentlich nicht. Was wir bräuchten, wäre eine starke Writers Guild. Das Erstaunliche ist, dass ausgerechnet in den gewerkschaftsfeindlichen USA so etwas existiert. Ich fürchte, Autoren werden hierzulande immer gegeneinander ausgespielt, es gibt eine zu große Konkurrenz, wir sind Einzelkämpfer. Wir sind fast machtlos, können jederzeit ausgetauscht werden. Ich weiß nicht, was man wirklich tun müsste. Eigentlich sind die meisten Autoren irgendwann – was dieses Thema angeht – verbittert oder resigniert. Wir müssten alle einmal für drei Monate streiken. Dann würde es nicht mehr vorkommen, dass der Film vor allem dem Regisseur zugeschrieben wird.

10. Dein wichtigster Ratschlag?

Paul Haggis: „Always write from the guts!“

Robert Schumann: „Klimpere nie!“

Schreib’ so, dass es weh tut.
Die bittere Wahrheit ist (siehe: „Tiger“), dass das nie – nie! – bis zum Ende so durch geht. Aber wenn sich ein bisschen was davon halten soll, sollte man groß starten.

Meide faule Äpfel. Sie stinken nur.