Freitag, 16. November 2012

Filmpreis und Filmkritik: Christoph Hochhäusler im Interview

Der deutsche Regisseur und Autor Christoph Hochhäusler wird mit Filmen wie "Falscher Bekenner" und "Unter Dir Die Stadt" über die nationalen Grenzen hinaus als einer der Botschafter des gegenwärtigen deutschen Kinos gehandelt. Zuletzt beteiligte er sich mit seinem Filmbeitrag "Eine Minute Dunkel" an der Filmtrilogie "Dreileben", einem Gemeinschaftsprojekt mit den Regisseuren Dominik Graf und Christian Petzold. Zusammen mit dem Regisseur Ulrich Köhler ("Schlafkrankheit") hatte Hochhäusler vor nunmehr neun Jahren den Versuch unternommen, die Auswahlkommission der Jury für den Filmpreis zu erhalten und nicht auf ein demokratisches Wahlverfahren umzusatteln, für das die deutsche Filmakademie 2003 gegründet wurde ("Die derzeit rund 1300 Mitglieder der Deutschen Filmakademie wählen aus einer Liste mit Vorschlägen zunächst die Nominierungen in den verschiedenen Kategorien. In einem zweiten Wahlgang wird dann über die Gewinner abgestimmt." via wikipedia)

 

1) Christoph Hochhäusler, als Filmemacher und Film-Journalist (Revolver) kannst Du sicherlich eine differenzierte Sicht auf die vor zwei Wochen aufkommende bzw. erstickte Diskussion zwischen Filmkritik und Filmherstellern bieten. Ist die Forderung nach einem nicht-demokratischen Wahlverfahren zugunsten einer Fachjury oder ähnlichen Modellen Deiner Meinung nach berechtigt?

Vorab: Eine öffentlich bestellte Jury ist nicht „undemokratischer” als eine Wahl. Und ja: ich glaube, die Forderung nach einem anderen Vergabemodell ist nach wie vor berechtigt, weil der Deutsche Filmpreis – den man vielleicht besser 'künstlerische Referenzförderung' nennen sollte – ausdrücklich auf „herausragende Leistungen” verpflichtet ist. Es heißt in der Richtlinie nicht: „Erfolg” solle ausgezeichnet werden und auch nicht: „künstlerischer Erfolg”, sondern „herausragende Leistung. Das Geld kommt ja vom Bundestag, es sind Mittel des Bundeskulturausschusses, schon mit der Nominierung sind erhebliche Förderzusagen verbunden (allein die Nominierung zum „besten Spielfilm” bedeutet 250.000 Euro Förderung).

Eine künstlerische Spitzenleistung zu bestimmen gelingt einer Jury in aller Regel besser als einem Wahlvolk. Niemand käme auf die Idee, alle Künstler einschliesslich der Metallgiesser und Leinwandspanner darüber abstimmen zu lassen, welche Kunstwerke die Nationalgalerie kaufen solle. Im deutschen Film aber gilt das als besondere Errungenschaft.

Hinzu kommt aber noch etwas anderes. Die Filmakademie – und darin ähnelt sie ganz bewusst anderen Akademien, die nicht-dotierte Preise vergeben – ist beseelt von der Idee, dem deutschen Kino zu mehr Wirkung zu verhelfen. Die Preisverleihung soll eine spannende Unterhaltung sein, der Zuschauer soll mitfiebern können, welcher Favorit das Rennen macht. Das geht natürlich nur mit Titeln, die einen bestimmten Bekanntheitsgrad schon erreicht haben. So hat Eichinger das bei der Gründung auch unverblümt benannt: es könne nicht angehen, dass Filme ausgezeichnet würden, „die keiner kennt”. Die Zulassungsbedingungen, das Nominierungs-Procedere, das Wahlverfahren, auch die berühmt-berüchtigte DVD-Kiste sorgen für jenes Mainstreaming, das der Preis braucht, um als populäre Fernsehunterhaltung funktionieren zu können.

Der Zielkonflikt zwischen der eigentlichen Widmung des Filmpreises („herausragende Leistung”) und den Ansprüchen der Akademie (publikumswirksame, telegene Verleihung, als Mobilisierung nach innen und aussen) wäre sehr einfach zu lösen. Man müsste lediglich Preis und Geld trennen. Also wenn schon Vorbild Oscar, dann bitte auch in diesem Punkt. Die Akademie soll gerne sich und den gehobenen Mainstream feiern, ich sehe durchaus den Sinn einer solchen Veranstaltung –aber der Filmpreis muss künstlerisches Risiko fördern, indem er herausragende Leistungen unabhängig auszeichnet bzw. Folgeprojekte finanziell anschiebt (das Preisgeld gilt ja jeweils dem Folgeprojekt).

Als Filmemacher, der weder Mitglied der Akademie ist noch jemals nominiert war (als Filmjournalist sehe ich mich übrigens nicht) stehe ich mit dieser Forderung natürlich unter Neid-Verdacht. Wir wollten die Regeln zu unseren Gunsten beeinflussen, das haben wir damals oft gehört. Ich kann dazu nur sagen: das Instrument künstlerischer Referenzförderung ist zu kostbar, um sich von Befangenheitsvorwürfen mundtot machen zu lassen. Warum ist es so kostbar? Weil es Freiheiten ermöglicht, die im System ansonsten sehr sehr rar sind. Freiheiten, die gerade für künstlerische Wagnisse gebraucht werden. Und da sind sich ja alle einig, dass es davon zu wenige gibt.

2) Wie waren damals die Reaktionen anderer Filmemacher auf Ulrich Köhlers und Deine Initiative?

Einerseits gab es sehr viel Zustimmung damals, wir hatten weit über 400 Unterzeichner quer durch die Szene, darunter diverse Filmpreisträger (unterschrieben haben damals zum Beispiel Christian Petzold, Fatih Akin, Hans Weingartner, Peter Lilienthal, Hans Christian Schmid, Andres Veiel, Rosa von Praunheim, Angela Schanelec, Harun Farocki, Jeanine Meerapfel, Helke Misselwitz, Thomas Heise, Eoin Moore, Helke Sander, Thomas Arslan, Philip Gröning, Valeska Grisebach, Vanessa Jopp, Fred Kelemen, Stefan Krohmer, Mathias Luthardt, Maria Speth, Isabelle Stever, Henner Winckler, Hanns Zischler – aber auch diverse Kritiker, Kinomacher, Historiker). Aber der Zug „Filmakademie” war schon im Rollen und die Politik wollte ausdrücklich „formierte Interessen”. Mit Argumenten kommen wir nicht weit, hiess es. „Warum gründet ihr keinen Verband?” An einer Gegen-Akademie hatten wir allerdings kein Interesse.

Von der Akademie selbst wurden wir damals extrem angefeindet. Unsere Fragen war unerwünscht und Diskussionen wurden nach Möglichkeit unterbunden. Es gab einige hässliche Szenen. Wir wurden als Leute abgetan, die ohnehin nicht Mitglieder werden dürften und sich deshalb wie Teenager beim Türsteher Luft machten, von wegen „Scheiß Club”und so. Eichinger hat mir im Bundestag (wo ich als Sachverständiger geladen war) die schon gegebene Hand wieder entrissen, als er meinen Namen hörte. Ich war völlig überrascht, wie dünnhäutig er war. Erst als die Schlacht geschlagen war, gab es das Angebot, Mitglied zu werden.

3) Als den Filmkritikern eher wohlgesonnener Filmemacher bist Du in der komfortablen Position, dass deine Filme diskutiert werden. Wie wirkt sich so etwas auf den Erfolg des Filmes aus? Wenn nein: bedeutet das, das eventuell gar keine Verbindung zwischen Kritik und Erfolg besteht?

Komfortabel würde ich meine Position sicher nicht nennen. Zum einen ist es sehr schwer, meine Filme zu finanzieren. Zum anderen mache ich Filme nicht für die Kritiker, sondern für „die Welt”. Und die ist noch nicht erobert – ich meine das weniger im Sinne von nackten Zahlen als einer „gefühlten Reichweite”. Ich träume – durchaus gegen die deutsche Medienwirklichkeit – von einem Film, der relevant im Kino ist, mit dem in der Öffentlichkeit umgegangen wird, um Gegenwart zu bestimmen. Da bin ich noch nicht und womöglich ist dieser Anspruch auch nicht zu verwirklichen, aber er gibt eine Richtung vor. Was die Verbindung von „guten Kritiken” und Zuschauerzuspruch betrifft: die gibt allenfalls indirekt. Und die indirekten Verbindungen sind ungefähr so kompliziert wie in der Politik. Kann man einen Kanzler „erschreiben”? Im negativen eher als im positiven. So ist es im Film auch. Schlechte Kritiken können einem Film unter Umständen sehr schaden, gute Kritiken sind an der Kinokasse dagegen selten spürbar.

4) Koexistieren Filmkritik und Filmemachen womöglich nebeneinander, ohne etwas miteinander zu tun zu haben? Geht es dem Kritiker um die Kritik oder um den Film? Geht es dem Regisseur/Autor um das Ausleben der eigenen Kreativität oder um den Film? Können beide überhaupt das selbe Produkt meinen, wenn sie von dem „Film“ reden?

Für mich war die Grenze zwischen Kritik und Film nie so scharf gezogen. Film muss ja zunächst immer gedacht werden. Entgegen der populären Vorstellung einer Bauchkunst ist das durchaus ein intellektueller Vorgang: sich einen Film vorstellen, ihn formulieren, sich erklären gegenüber potentiellen Geldgebern etc. Das Filmemachen selbst ist ohnehin eine sehr logistische Arbeit. Aber egal wie viel man weiss über den eigenen Film: am Ende klafft immer eine Lücke zwischen dem, was man machen wollte und dem Film selbst. Um diese Lücke zu überbrücken, gewissermassen auch den blinden Fleck des eigenen Selbstbildes, ist die Kritik ganz wesentlich. Mich beschäftigt die Frage „Was habe ich eigentlich gemacht” sehr, insofern freue ich mich über scharfsichtige Analysen – mehr oder weniger unabhängig davon, ob die Autoren den Film nun loben oder nicht. In diesem Sinne „gute” Kritiken, die mir Erkenntnisgewinn bringen, sind natürlich äusserst selten, ungefähr so selten wie gute Filme wahrscheinlich. Die Arbeit am Text für den Kritiker hat sicher eine andere Dynamik als die Arbeit am Set, und doch ringen beide Seiten um Begriffe, um ein Verhältnis zur Welt. Und so wie es für den Filmemacher letztlich ja auch nicht um den Film allein, sondern eben um die Welt geht (oder gehen sollte), um die Frage: „Was ist wirklich?”, so geht es dem Kritiker auch nicht um den Film allein oder seine Kritik sondern um die Welt: was sie bedeutet, wie sie funktioniert. Jeder Film ist ein Modell, eine Weltbeschreibung.


Die Branche wirkt schon seit einiger Zeit verunsichert: Urheberrechtsdebatten, Piraterie, Filmpreis, Til Schweigers Presseverhalten – welche Ursachen könnten Deiner Meinung nach diese Frontenkämpfe haben? Stimulieren die medienpolitischen und gesellschaftlichen Umbrüche des digitalen Zeitalters die Überlebensreflexe eines überholten Systems? 

Der Medienwandel – und damit verbunden diverse Anpassungsschmerzen in Sachen Urheberrecht, Finanzierung, Rolle der Presse usw. – geht wie ein tropischer Sturm durch eine Branche, die – vielleicht gerade weil die Arbeit so unsicher ist – sehr strukturkonservativ ist. Vieles hat sich geändert, vieles wird sich noch ändern. Das Urheberrecht ist sicherlich in der jetzigen Form nicht zukunfstfähig. Entscheidend für mich ist, dass der Film als Medium lebendig ist. Daran zweifle ich keine Sekunde. Wir leben in einer aufregenden Zeit, was das Kino betrifft. Und damit meine ich ausdrücklich auch Deutschland. Dass der Deutsche Filmpreis Aufbruch und Risiko so schlecht widergibt, ist ein Problem mindestens für den Teil der Öffentlichkeit, der wenig Zugang hat zu Alternativen im Kino, also mehr oder weniger die ganze Republik ausser einigen Großstädten. Der Filmpreis könnte ein Schaufenster sein für das, was zu entdecken ist, während er jetzt nur das Bekannte feiert.

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Eine online lesbare Ausgabe (Nr. 14) des Revolver-Magazins zum Thema Filmkritik findet man HIER

Dienstag, 18. September 2012

Das Kleine Fernsehspiel: Lucas Schmidt im Interview

Lucas Schmidt ist seit 1997 Redakteur beim Kleinen Fernsehspiel. Neben der dramaturgischen Betreuung von Spiel- und Dokumentarfilmen ist er als Koordinator von Quantum, dem Formatlabor des Kleinen Fernsehspiels, verantwortlich für die Entwicklung neuer Fernsehformate. Zu seinen vielfach ausgezeichneten Projekten gehören aktuell die Spielfilme "Waffenstillstand" von Lancelot von Naso und "Schwerkraft" von Maximilian Erlenwein, der Dokumentarfilm "Login2Life" von Daniel Moshel sowie die internationale Koproduktion "Easy Money" von Daniél Espinosa. (via ZDF-DKF )



1. Wofür steht das DKF?
Das DKF steht für die erste Adresse in Deutschland für den Filmnachwuchs. Hier entstehen die ersten Filme. Hier starten Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler und viele andere Beteiligte ihre professionellen Karrieren.

2. Wieviele Produktionen entstehen jährlich und wieviel Sendetermine gibt es zur Zeit?
Derzeit entstehen 20 Neuproduktionen pro Jahr. Das Verhältnis von Fiktion zu Dokumentarischem ist etwa 50:50.

3. Wieviele Einreichungen pro Jahr?
Wir erhalten im Jahr zwischen 600 und 800 Einreichungen , häufig von Filmstudenten, Autoren und Regisseuren, aber auch Autodidakten.
Daneben reichen natürlich auch viele Produzenten bei uns Projekte ein. Das Verhältnis ist ebenfalls ziemlich ausgeglichen.

4. Wie sollte die Einreichung aussehen, damit sie in die engere Wahl kommt?
Es kann jederzeit eingereicht werden und zwar in jedem Stadium, sei es ein Exposé, Treatment oder ein fertiges Drehbuch. Wir bevorzugen früh in die Entwicklung einbezogen zu werden. Wichtig ist für uns auch, einen Kurzfilm oder eine vorherige filmische Arbeit des Einreichers sichten zu können. Man sollte immer nur einen Kollegen adressieren und nicht die ganze Redaktion mit Arbeit eindecken;-) Und bitte nicht per email einreichen und etwas Geduld mitbringen, da eine sorgfältige Prüfung einfach etwas Zeit braucht.

5. Da es für Autoren nichts nervenaufreibenderes gibt als auf Feedback zu warten: Gibt es offizielle Entscheidungstermine, nach denen man sich richten kann oder wie sind die üblichen Wartezeiten auf Antwort?

Man muss mit etwa 3 Monaten Wartezeit rechnen. Wenn einer der Redakteure überzeugt von einem Projekt ist, reicht er es  in die Redaktionskonferenz ein, die etwa alle drei Monate stattfindet. Dort werden alle Projekte von allen Kollegen gelesen und lektoriert und schließlich darüber abgestimmt.

6. Das Formatlabor "Quantum" ist ein Experimentierfeld für neue innovative Fernsehformate. Wie läuft da die Entscheidungsfindung ab?

Die Koordination für Quantum liegt bei Lucia Haslauer und mir (Lucas Schmidt). Gemeinsam mit der Redaktionsleiterin des Kleinen Fernsehspiels Claudia Tronnier treffen wir uns regelmäßig, bewerten eingereichte Projekte und vergeben Entwicklungsaufträge.

7. Wieviele Piloten werden jährlich produziert?
Etwa zwei pro Jahr.

8. Ist der späte Sendeplatz des DKF ein Fluch oder Segen?
Der späte Sendeplatz bedeutet in erster Linie eine große Freiheit für unsere Regisseure, ihre eigene Handschrift zu entwickeln, eben ohne großen Quotendruck. Ein Experimentierfeld. Andererseits freuen wir uns natürlich auch, wenn Produktionen des DKF auf früheren Sendeplätzen gesendet werden. Das geschieht mehrmals jährlich in unseren Highlight-Reihen "Shootingstars" und "100 % Leben" , und natürlich besonders in den Partnerkanälen wie 3sat, Arte und natürlich zdfneo und zdf.kultur. So haben wir bei zdf.kultur sogar einen festen Wiederholungstermin am Freitag zur Primetime um 20:15 Uhr.

9. Welchen Rat hast Du für die Nachwuchsproduzenten und -autoren da draußen, die sich eine Zusammenarbeit mit dem DKF wünschen?
Kenntnis des Fernsehens ist z.B. recht hilfreich ;-) Nein im Ernst: man muss sich natürlich mit den Möglichkeiten des Mediums Fernsehen auseinandersetzen.
Aber man muss auch an sein Projekt glauben und sich nicht beirren lassen von etwaigen Trends usw. sondern versuchen, sich treu zu bleiben und seinen eigenen Weg zu finden.
Und ruhig den Mut haben uns anzusprechen, dafür sind wir da.

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Dienstag, 14. August 2012

Asghar Farhadi

Asghar Farhadi, Autor und Regisseur vom letzjährig zurecht gefeiertem "Nader & Simin" spricht über seine Arbeit:


Dringende Empfehlung: "About Elly", seinen vorherigen, zumindest genauso ausgezeichneten Film.

Sonntag, 12. August 2012

From Bitter Script Reading To 12 Step Screenwriting

Der Bitter Script Reader teilt auf seinem Blog und via Twitter seine Erfahrungen als Reader im Business.
Zusätzlich hat er sich die Mühe gemacht, eine 12-teilige Serie mit Screenwriting Tipps auf youtube zu stellen, deren Mehrwert jeder für sich selbst herausfinden muss.
Nur wer charakterlich so gefestigt ist, auch von einer Handpuppe Tipps für seine Arbeit annehmen zu können, sollte hier reinschauen:

 

Samstag, 21. Juli 2012

Pilar Alessandra - The Coffee Break Screenwriter

Und schon wieder ein Drehbuch-Guru mit der Zauberformel zum Hit: Pilar Alessandra nimmt das Zeitproblem des Feierabend-Autors in ihrem Buch "The Coffee Break Screenwriter" zum Ausgangspunkt ihres Ratgebers. Sie hat einen Fragenkatalog formuliert, mit dem man jeden Tag "während der Kaffeepause" kleine inhaltliche Zielvorgaben für sein Drehbuch erfüllen kann.
Wenn man, wie bei allen Drehbuchratgebern, seine Vorbehalte ruhen lässt und das Brauchbare für die eigene Arbeit herausfiltert, kann man sich diesen effizienten Blick auf die dramatische Konstruktion seiner Geschichte sinnvoll zu nutze machen.


Freitag, 6. Juli 2012

Spec-Script Sale

Scott Myers von "Go into the Story" hat sich die Mühe gemacht, alle verkauften Spec-Scripts ab 1991 (und vereinzelt auch noch frühere) aufzulisten - mit Infos über die Produktionsfirmen, ob es einen "bidding war" gegeben hat etc: http://gointothestory.blcklst.com/2012/07/the-definitive-list-of-spec-script-sales-1991-2012-every-link.html

Da findet man auch immer wieder notable mentions wie z.B. "Inception", dass "Training Day" für 1 Mio Dollar verkauft wurde oder "The Counselor", das erste Script, das Cormac McCarthy geschrieben hat.

Mittwoch, 4. Juli 2012

The 36 dramatic situations

Im 18. Jahrhundert hatte der italienische Dramatiker Carlo Gozzi (1720–1806) eine Liste mit dramatischen Konstellationen erstellt, auf die sich jedes Drama zurückführen lassen. Im nächsten Jahrhundert führte der Franzose Georges Polti die Arbeit Gozzis fort und verfasste folgende Liste, die mit Beispielen jeden der einzelnen Punkte illustriert: The Thirty-Six Dramatic Situations (englisch).

Und hier der Wikipedia-Eintrag zu den 36 Situationen:  http://en.wikipedia.org/wiki/The_Thirty-Six_Dramatic_Situations 

Dienstag, 3. Juli 2012

Warum ist der deutsche Film so mies?

Radiosendung "Zündfunk" im BR mit folgendem Beitrag:
"Können die Deutschen nur noch den lustfeindlichen und bedeutungsschwangeren Themenfilm? Der Versuch einer Tiefenanalyse Können die Deutschen nur noch den lustfeindlichen und bedeutungsschwangeren Themenfilm? Vor der Vergabe des deutschen Filmpreises durch die Filmakademie fachte der bekannte Film- und Fernsehregisseur Dominik Graf eine immer wiederkehrende Diskussion neu an. Gehen die Fördergelder an die Richtigen? Wie mächtig sind die Fernsehanstalten? Gibt es zu viele Jungregisseure mit zu mäßigen Ideen? Warum haben es Genrefilme so schwer, von guten Fernsehserien ganz zu schweigen? Der Versuch einer Tiefenanalyse. Auf der Couch: Benjamin Heisenberg, Dominik Graf, Hans Christian Schmid und Urs Odermatt (Filmemacher), Alfred Holighaus (Deutsche Filmakademie), Eoin Moore (Head-Autor Polizeiruf Rostock), Rüdiger Suchsland (Filmkritiker)."
http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-zuendfunk-generator.shtml

Freitag, 29. Juni 2012

Social Media Update:

Den Drehbuch-Courier gibt es nun auch auf Facebook. Ob dort einfach nur die Hinweise und Blogposts von hier mitgeteilt werden oder ob sich das anders entwickelt bleibt erstmal abzuwarten.

Neue Blogs

Ich habe in die Linkliste (hier links neben dem Text) ein paar neue Blogs hinzugefügt, die ich in letzter Zeit desöfteren lese und die, obwohl sehr Hollywood-lastig, auch für deutsche Drehbucharbeit hilfreich sein können: The Bitter Script Reader, Go Into The Story, Aspiring TV Writer, Scriptchat. HIER gibt es z.B. interessante Autoren-Interviews.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Sir Ronald Harwood Lecture

"The Golden Rule is: there is no Golden Rule."

Auf Youtube gibt es eine schöne 70-minütige Lecture über das Schreiben des preisgekrönten Drehbuch- und Theaterautoren Sir Ronald Harwood, der u.a. für die Bücher zu "Der Pianist", "The Statement", "Die Taucherglocke und der Schmetterling", "Oliver Twist", "Being Julia", und "Cromwell" verantwortlich ist.



Hinweis: Die Lecture beginnt erst bei ca. 16:30, die Einführungen haben keinen Mehrwert.

Sonntag, 24. Juni 2012

Freitag, 22. Juni 2012

Richard Walter - Essentials Of Screenwriting

Script-Gurus gibt es in den Staaten a dime a dozen. Richard Walter ist Professor für Screenwriting and der UCLA und durch seinen Mainstream-Approach erfolgreich und auch recht beliebt in Hollywood. Im folgenden Interview umreißt er seine Theorien zum Schreiben für das Bewegtbild:

Samstag, 16. Juni 2012

Interview: Aaron Sorkin





UPDATE:

"The Newsroom" hat kommenden Sonntag Premiere auf HBO (und kurz darauf auch in Deutschland) und mittlerweile werden die ersten Kritiken veröffentlicht: Im "New Yorker" z.B. sucht die Rezensentin Emily Nussbaum vergeblich nach Positivem (Dank an E. Knörer für den Hinweis). 

Mittwoch, 13. Juni 2012

10 Fragen - David Ungureit

Ein Blick auf das Werk David Ungureits offenbart erstmal eines: Vielseitigkeit. Seit vielen Jahren schreibt er für "Notruf Hafenkante", aber auch "Danni Lowinski", für Kinderprogramme wie "Siebenstein" oder "Rennschwein Rudi Rüssel"; für die "Soko Rhein-Main", aber auch Märchenverfilmungen wie "Aschenputtel" oder die "Bremer Stadtmusikanten". Sprich: Ein Fernsehautor, im besten Sinn des Wortes.








1. Warum schreibst Du?

Ich fürchte, ich kann nix anderes. Ich hab lange Zeit mit einer Band Musik gemacht und die Texte geschrieben. Obwohl ich mir mit der Musik mehr Mühe gegeben habe, fiel mir das Texten doch erheblich leichter.
Ein Freund von mir ist Schauspieler und kam irgendwann mit einem Drehbuch für eine Serie an, in der er eine Rolle spielen sollte. Wir lasen es und fanden dann, voller jugendlicher Arroganz, dass wir das selber viel besser könnten. Also beschlossen wir, ein Drehbuch für den Film zu schreiben, den wir selber gerne im Kino sehen würden. Es wurde ein wüstes Drehbuch zu einem unbezahlbaren Science-Fiction-Film, der folgerichtig nie gemacht wurde. Allerdings konnten wir einige Aufmerksamkeit erregen, denn solche Drehbücher wurden (und werden) wohl eher selten als Visitenkarten von Neulingen vorgelegt. Eine Art unfreiwilliger „USP“.
Kurz darauf besuchten wir den Workshop von Frank Daniel – und das war’s: Ich wollte Drehbuchautor werden. Der Freund blieb lieber Schauspieler.
Gereizt haben mich immer gute Plots, ob im Film oder in der Literatur. Zu meinen eindrücklichsten frühen Leseerfahrungen gehörten deshalb die „Küsschen“-Bücher von Roald Dahl.


2. Wie schreibst Du?

Ich habe ein Büro und schreibe fast ausschließlich dort. Ich habe es in Cafés, Zügen, Bars, Autos, Ferienhäusern und zu Hause probiert, aber es klappt nur ganz selten, und ich weiß nie, woran das dann gerade liegt. Auch ausreichend Schlaf ist eine unabdingbare Voraussetzung, also fange ich meistens erst gegen Mittag an, dann aber gerne auch bis in die Nacht hinein.
Das Schreiben selbst ist dabei aber nur ein Teil der Arbeit, denn hauptsächlich denkt man ja nach. Obwohl ich Besitzer einer riesigen und stetig wachsenden Stifte-Sammlung bin, schreibe ich doch fast ausschließlich mit Computern. Ob Word oder Final Draft ist mir dabei eigentlich egal und richtet sich nach den Wünschen des Produzenten. Früher habe ich gerne mit MovingPlot geschrieben, aber das gibt’s für neue Word-Versionen ja leider nicht mehr.
Beim (Aus-)Denken darf keine Musik laufen, beim Schreiben nur welche ohne Text. Beim Überarbeiten darf dann gerne auch gesungen werden. Die Musik sollte aber immer zur Stimmung des Buches/der Szene passen.


3. Hast Du ein Lieblingswort?

ENDE


4. Wie entsteht ein Stoff?

Manchmal auf Zuruf, manchmal einfach so, dann meistens durch irgendwas, das ich gerade gelesen oder gesehen habe. Das Mitführen von Notizbüchern habe ich aufgegeben, denn mir schien jede Idee spontan ihren Zauber zu verlieren, wenn ich sie dort hineinkritzelte. Lieber behalte ich sie im Kopf und drehe sie hin und her, während ich morgens immer wieder die Schlummertaste meines Weckers drücke. Überhaupt ist der Halbschlaf der kreativste Zustand, finde ich, denn dort sind die eigenen Kritikmechanismen erheblich geschwächt und können wunderbar ausgetrickst werden. Später braucht man sie dann natürlich wieder.
Ich hasse Treatments, vor allem Bildertreatments! Wenn irgend möglich schreibe ich ein ausführliches Exposé, gerne auch mit Dialogbeispielen, und dann sofort ein Drehbuch.


5. Wie strukturierst Du Deinen Stoff?

Anfang, Mitte, Ende, instinktiv und ohne Karteikärtchen.
Ich schreibe alles der Reihe nach auf, lasse keine Lücken, bin meistens erst am letzten Tag damit fertig und schicke es dann sofort raus. Den 3. Akt schreibe ich gerne in einer Mammutsitzung in einem einzigen Rutsch, um das Tempo nicht zu verlieren.


6. Kunst oder Quote?

Qunst. Johann Sebastian Bach war praktisch sein Leben lang ein Auftragskomponist, ein Lohnschreiber. Dennoch hat er wundervolle Musik geschaffen. Manchmal reizt es mich, eine Geschichte zu entwickeln, die in engen (finanziellen, dramaturgischen oder personellen) Grenzen spielen muss. Tonika, Dominante, Subdominante.
Und dann gibt es da die Darling-Projekte, bei denen ich gerne improvisiere, mal ein Solo spiele, mehr für mich schreibe als für einen Auftraggeber – eher Jazz als Klassik. Aber auch dabei, ich gestehe es gerne, denke ich stets an ein Publikum, denn ich mag das Publikum und ich mag es, wenn möglichst viele Leute das sehen, was ich mir ausgedacht habe.
Die Zusammenarbeit mit guten Leuten bei Sendern oder Produktionsfirmen empfinde ich als Gewinn. Da lasse ich mir gerne „reinreden“. Wenn die Leute aber nix draufhaben und dennoch an Profilneurosen leiden, ist meine Leidensbereitschaft inzwischen begrenzt. Insgesamt mag ich aber nicht in den Chor der Autoren einstimmen, die in Redakteuren und Produzenten grundsätzlich Feinde zu sehen scheinen. Ich habe viele, sehr gute Redakteur/innen, Producer/innen und Dramaturg/innen kennengelernt. Vielleicht hatte ich Glück.


7. Kino oder Fernsehen?

Egal. Wichtiger ist, dass es ein guter Film/eine gute Serienfolge geworden ist. So ganz konnte ich den glorifizierenden Blick aufs Kino, bei gleichzeitiger Hochnäsigkeit dem Fernsehen gegenüber, nie verstehen. Ich sehe gerne fern und finde im deutschen TV fast immer irgendwas, das mich interessiert. Okay, samstags ist es schwer. Aber das Verhältnis von Qualität und Mist ist im Fernsehen meiner Meinung nach kein bisschen schlechter als in der Musik oder Literatur. Was ich nicht mehr hören mag, sind Leute, die Diskussionen übers Fernsehen mit dem wohlfeilen Satz beginnen: „Ich hab ja selbst schon lange keinen Fernseher mehr“ und dafür dann Applaus erwarten. Man stelle sich eine Diskussion über Bücher vor, die mit dem Satz beginnt: „Ich lese ja selbst schon lange nicht mehr.“


8. Nenne 3-5 Lieblingsfilme/-Serien!

Weißensee, Sherlock, Pastewka, Danni Lowinski (fand ich schon toll, bevor ich da mitmachen durfte), Down by Law.


9. Drehbuchautoren in der Öffentlichkeit?

Mein Ärger über die Behandlung unseres Berufes in der Rezeption filmischer Werke will einfach nicht weniger werden, sondern wächst eher noch. Wenn der Verstoß gegen die guten Sitten des Journalismus oder des menschlichen Miteinanders zu groß wird, dann muss er raus. In Form von Leserbriefen, Mails, Forumseinträgen, wütenden Worten oder öffentlichen Zwischenrufen bei Podiumsdiskussionen oder Reden. Meine Beißhemmung hat da inzwischen sehr nachgelassen, wenngleich ich bisher noch niemandem eine Sahnetorte ins Gesicht geworfen habe. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich ebensolches Verhalten von Kollegen erlebe (so z.B. vom Verfasser dieses Blogs, dessen Namen ich gelegentlich unter Forumseinträgen finde, die Journalisten auf ihre Sorgfaltspflicht hinweisen). Ganz schlimm ist der derzeitige Künstlerhass, der von gewissen Lobbygruppen erzeugt und instrumentalisiert wird.


10. Dein wichtigster Ratschlag:

Man sollte sich nie so abhängig von einem einzelnen Projekt machen, dass man nicht jederzeit aufstehen und gehen könnte.


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10 Fragen an:
André Georgi
Peter Probst
Fred Breinersdorfer
Tom Bohn 

Sonntag, 10. Juni 2012

Beau Willimon - Interview

Ein Interview mit dem Drehbuchautoren Beau Willimon, der den kürzlich im Kino laufenden "Ides Of March" mit Ryan Gosling und George Clooney geschrieben hat und zur Zeit vor der schwer zu lösenden Aufgabe steht, die englische Kult-Miniserie "House Of Cards" zu adaptieren.


Doris Heinze vor Gericht

heute2: Doris Heinze, Ex-Fernsehspielchefin des NDR, steht ab 5. Juli wegen Drehbuch-Affäre vor Gericht. http://t.co/H2qalg8F -- turi2 (@turi2)

VIA twitter

Freitag, 8. Juni 2012

Adam Price - Arte-Interview

Auf der Website von Arte gibt es ein Interview mit dem Schöpfer der dänischen Serie "Borgen" aka "Gefährliche Seilschaften" (die ich jedem wärmstens ans Herz legen möchte) zu lesen: Interview Adam Price

Dienstag, 22. Mai 2012

Freie Downloads von Drehbuchliteratur

Danny Stack, der auf seinem Blog "Scriptwriting in the UK" seit langem seine eigenen Drehbuchtätigkeiten begleitet, hat mich auf drei frei herunterladbare PDFs hingewiesen, die sich mit dem Drehbuchmetier auseinandersetzen und die er online gestellt hat:

1. Ten Steps to be a Professional Screenwriter
2. Script Reading in the UK: The Complete Guide
3. Scriptwriting in the UK: Q&A Series



Montag, 14. Mai 2012

10 Fragen - Tom Bohn

Tom Bohn schreibt, produziert und führt Regie. Neben verschiedenen "Tatort"-Folgen realisiert er Spielfilme, die er unabhängig von Sendern und Fördertöpfen finanziert und in die Kinos bringt (zuletzt "Reality XL").
2007 hat er die Indie-Filmer Platform Indie-Stars gegründet, die auch als Label für seine Produktionen fungiert.
 


1. Warum schreibst Du?

Das Schreiben war schon immer ein wesentlicher Aspekt meines Lebens. Es macht mich glücklich.
 
 
2. Wie schreibst Du? 
 
Schreiben und APPLE gehören bei mir zusammen. Ich habe ein MACbook Air auf dem ich schreibe, wenn ich auf Tour bin. Auf meinem Schreibtisch steht ein IMAC. Ich schreibe am liebsten in meinem Office, im Zug und in Flughäfen.  
 
 
3. Hast Du ein Lieblingswort?

Nein. 
 
 
4. Wie entsteht ein Stoff?

Beim Duschen. Sobald ich den Hahn aufdrehe, das Wasser läuft und mich die Ionen umgeben, knallt bei mir irgendetwas durch. Dann kommt die Idee - der Rest ist Handwerk. 
 
 
5. Wie strukturierst Du Deinen Stoff? 

Zunächst völlig aus dem Bauch. Danach schau'  ich mal was da so steht und strukturiere es um. Vor der Abgabe lasse ich einen Stoff gerne ein paar Tage liegen, gehe noch einmal drüber und/oder lasse Freunde lesen. 
 
 
6. Kunst oder Quote? 
 
Es ist große Kunst die Mitte zwischen Publikumsanbiederung und -Verachtung zu finden. 
 
 
7. Kino oder Fernsehen? 
 
Ist heutzutage kein Unterschied mehr. Das hat "Ziemlich beste Freunde" inzwischen wohl auch dem letzten Zweifler bewiesen. 
 
 
8. Nenne 3-5 Lieblingsfilme/-Serien!

Blade-Runner, Blues-Brothers, Midnight -Express, Shutter Island, Polizeiruf Rostock


9. Drehbuchautoren in der Öffentlichkeit?
 
 Mein Rat an alle Kollegen: Schreibt einfach nur gute Bücher. Der Rest kommt von alleine.


10. Dein wichtigster Ratschlag:

siehe oben.

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10 Fragen an:
André Georgi
Peter Probst
Fred Breinersdorfer

Donnerstag, 3. Mai 2012

Über das Gegenwartskino

auf der artechock-Seite schreibt Andreas Beilharz ausführlich und umfassend Von Problemen, Chancen und Entdeckungen im hiesigen Gegenwartskino


Ein persönliche Notiz:
Der Grund, dass zur Zeit eher sporadisch Einträge auf dem Drehbuch-Courier veröffentlicht werden, ist der, dass meine Tochter demnächst ein Geschwisterchen bekommt und ich demnach anderweitig stärker eingebunden bin. Es wird hier auch wieder aktiver zugehen, versprochen.

Samstag, 7. April 2012

Walk and Talk

Aaron Sorkin hat wieder etwas fürs Fernsehen geschrieben: "The Newsroom" mit Jeff Daniels als Anchorman einer Nachrichtensendung.


In einem Artikel der "Vanity Fair" erfährt man dann zusätzlich noch folgendes: Jahrmarkt der Sorkin-Eitelkeiten .

Ab Juni auf HBO.

Freitag, 30. März 2012

Offene Briefe

Der VDD wird politisch aktiv und hat 51 "Tatort"(?)-Autoren zu einer Unterschrift unter folgendem offenen Brief mobilisiert:
http://www.drehbuchautoren.de/nachrichten/2012/03/offener-brief-von-51-tatort-autoren-0

Da steht viel Richtiges drin, vor allem über die Schein/Symbolpolitik der Parteien zum Thema und die verzerrte Darstellung urheberrechtlicher Zusammenhänge (nur den "Max Plank"-Schreibfehler hätte man bemerken müssen).

Auf die Probleme kommt dann das prompte "Antwort"-Schreiben des "CCC" zu sprechen:
http://ccc.de/updates/2012/drehbuchautoren

Auch hier sind starke Argumente vertreten, wie z.B. die Aufforderung, sich nicht mit dem Verwerter sondern dem Auftraggeber anzulegen, welcher schließlich Wiederholungshonorare und Drehtage streicht, und gleichzeitig immer weniger für die selben erbrachten Leistungen bezahlt.

Unterm Strich: Diskussion ist gut. Mehr davon.

25 Lügen eines Drehbuchautoren

Der Drehbuchautor und Blogger Chuck Wendig hat ein paar Argumente zusammengetragen, die den Autoren vom Schreiben abhalten wie z.B. folgendes:

" 5. Can Only Write When The Muse Allows!"

mehr hier: 25 lies writers tell and start to believe

Dienstag, 27. März 2012

Matthew Weiner über die neue "Mad Men" Staffel

In den USA ist am Sonntag die fünfte Staffel von "Mad Men" gestartet. Nachdem die Serie 17 Monate von den Bildschirmen verschwunden war erklärt Weiner, warum er dem Sender AMC die Pistole auf die Brust gesetzt hat, als es hieß, er müsse weitere Minuten pro Folge für die Werbung opfern:

Watch Writer-producer Matthew Weiner on PBS. See more from Tavis Smiley.

Freitag, 23. März 2012

Mittwoch, 21. März 2012

Zum Tode von Tonino Guerra

Zum Tod des Drehbuchautors Tonino Guerra hier eine Dokumentation über seine Arbeit mit Andrej Tarkovskij am Buch zu "Nostalghia":

Tempo di Viaggio


Nachruf auf Spon: Tonino Guerra

Montag, 5. März 2012

Interview: Torrent - Magazin für serielles Erzählen

Am 24. Februar 2012 erschien die erste Ausgabe von "Torrent - Magazin für serielles Erzählen", das zum größten Teil einen Blick auf die aktuelle Serienlandschaft, aber auch Rückblicke auf zu Unrecht vergessene Perlen wirft. Ein Interview mit Herausgeber Marcus Kirzynowski.






1) Die Zeitschrift nennt sich "Torrent - Magazin für serielles Erzählen". Den Titel musst du mir erklären. 

Das "torrent" ist natürlich ein Wortspiel: Einerseits ist das einfach das englische Wort für "reißender Strom", andererseits gibt es ja dieses Dateiformat zum Austausch von Medien übers Internet. Die Art von TV-Serien, die wir überwiegend behandeln wollen, haben einen Erzählstrom von Folge zu Folge. Gleichzeitig steht der Begriff für den Medienwandel, in dem wir uns gerade befinden - dass Serien eben vermehrt als Datenströme aus dem Internet konsumiert werden, nicht mehr zwingend im linearen Fernsehen. Mir wurde auch schon gesagt, der Name sei frech , aber so ist er eigentlich gar nicht gemeint. Ich habe einfach keinen treffenderen gefunden, der noch dazu einen guten Klang gehabt hätte. 

2) Wo kann man "Torrent" erwerben? 

Das Heft sollte bundesweit im Bahnhofs- und Flughafenbuchhandel zu bekommen sein. In Berlin, Hamburg und Köln hat unser Vertrieb auch das Pressegrosso eingeschaltet, so dass es dort auch in größeren anderen Buchhandlungen mit gut sortiertem Zeitschriftenangebot zu finden ist. Alle, die keine solche Buchhandlung in der Nähe haben, können es auch direkt über unsere Webseite bestellen. 

3) Obwohl es "TV-Serie" heisst, konsumiert der größte Teil der Zuschauer ihre Episoden auf DVD oder über Mediatheken-Streams. Werden Serien überhaupt noch fürs Fernsehen produziert werden, oder spürt man, dass die entwickelten Konzepte gar nicht mehr auf ein wöchentlich zuschauendes Publikum ausgerichtet sind?

Ähnlich wie bei Kinofilmen, wo der Kinostart seit längerem nur noch der erste Teil der Verwertungskette ist, ist es inzwischen bei TV-Serien und dem Fernsehen. Die aufwändigen Produktionen von US-Kabelsendern wie HBO oder Showtime lassen sich über die TV-Ausstrahlung alleine vermutlich gar nicht mehr finanzieren. Da sind die DVD-Verkäufe und Erlöse über iTunes und ähnliche Plattformen schon fest einkalkuliert. Von den Konzepten her merkt man natürlich auch gerade bei diesen Kabelserien wie "Mad Men", "The Wire" usw., dass eine Staffel von der Art des Erzählens eher einem überlangen Kinofilm entspricht als einer klassischen Serie, die man wirklich wöchentlich einsschaltet. Um wirklich alle Bezüge zu verstehen und nicht die Hälfte schon wieder vergessen zu haben, wenn sie wieder aufgegriffen werden, muss man sich diese modernen Serien im Grunde staffelweise innerhalb kurzer Zeit angucken.
David Simon, der Erfinder von "The Wire", sagt ja über seine aktuelle Serie "Treme", dass ihm eigentlich egal ist, wann HBO die nächste Staffel ausstrahlt, weil die meisten Leute sie ohnehin nicht im Fernsehen schauen. 

4) Wie sieht die Serienlandschaft (bezüglich heimischer aber auch importierter Serien) im deutschen Fernsehen aus? 

Durchwachsen. Nachdem sich die Öffentlich-Rechtlichen lange Jahre ganz aus dem Segment US-Serien zurückgezogen hatten, gibt es ja seit zwei, drei Jahren zumindest auf deren Spartensendern wie arte oder ZDFneo wieder verstärkt Programmplätze für anspruchsvolle Importe wie "Mad Men", Breaking Bad" etc. Die Privaten kaufen halt ein, was sie für quotenträchtig halten, wie jetzt aktuell "Game of Thrones". Wenn's dann die Quotenerwartungen nicht schnell erfüllt, wird's nach ein paar Folgen ins Nachtprogramm verschoben oder die nächste Staffel nicht mehr eingekauft. Ein Eldorado für Fans toller anspruchsvoller englischsprachiger Serien sind eigentlich die Pay-TV-Sender wie FOX oder TNT Serie, aber die muss man eben extra bezahlen.
Bei heimischen Serien fehlt den deutschen Sendern leider überwiegend der Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen. Außer "KDD" und "Im Angesicht des Verbrechens" gab es ja nicht viel Originelles, das an ausländische Vorbilder heranreichen könnte. 

5) "KDD" und "Im Angesicht des Verbrechens" wurden von den Sendern ja eher wie etwas Fremdes und eher stiefmütterlich behandelt. Hat die horizontal erzählte Serie im deutschen Fernsehen noch eine Chance? 

Man müsste halt feste Programmplätze für anspruchsvolle Eigenproduktionen etablieren. Also, statt zu sagen "KDD ist ein Krimi, deshalb senden wir es freitags nach dem 'Alten', weil da immer Krimis laufen" müssten die Verantwortlichen eher sagen: "Dienstags um 20.15 zeigen wir immer eine anspruchsvolle Serie, die auch ein jüngeres, US-Serien-affines Publikum anspricht". Irgendwann würde sich das wahrscheinlich rumsprechen, dass da immer was Interessantes läuft. Stattdessen verschreckt man mit "KDD" die älteren Zuschauer, die Serien im Stil von "Derrick" und "Der Alte" gewohnt sind, während die jüngeren gar nicht auf die Idee kommen, auf dem Sendeplatz könnte ausnahmsweise mal was Innovatives laufen. 

6) Ist die Entwicklung, Serien auf die Spartenkanäle wie ZDFneo zu verschieben eventuell eine Chance für mehr Experimente? 

Einerseits ist es ja schön, dass man im Free-TV dadurch überhaupt Sachen zu sehen bekommt, die es früher nie dahin geschafft hätten. Andererseits frage ich mich schon, warum man Serien wie "United States of Tara" oder "The West Wing" nicht auch etwa im ZDF-Hauptprogramm zeigen könnte. Eigentlich sagt der Programmauftrag ja, alle Bevölkerungsschichten zu bedienen, und eben nicht nur die Generation 50+. 

7) Gibt es außer den Serienhochburgen USA, Großbritannien und Dänemark noch andere Länder, die Mut zur Serie beweisen? 

In Frankreich gibt es, glaube ich, auch sehr interessante Serien, aber die bekommt man hierzulande fast nie zu sehen. Und die DVDs haben meist keine Untertitel. "Xanadu" letztes Jahr bei arte war ja schon sehr ambitioniert, im Grunde der Versuch, eine europäische Serie im Stil von HBO zu machen. Im April bringt arte eine tolle Cop-Show aus Australien, "East West 101".

8) Was dürfen die "Torrent"-Leser für die nächsten Ausgaben erwarten?

Sicher Porträts von weiteren herausragenden Serienautoren und -produzenten wie Bryan Fuller, John Wells, David Simon etc. Den ein oder anderen Blick zurück in die Seriengeschichte auf Klassiker wie "L.A. Law", das jetzt endlich auf Englisch als DVD rauskommt. Und natürlich Artikel über aktuelle Topserien wie "Treme", wenn sie in die nächste Staffel gehen. 

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Mittwoch, 22. Februar 2012

Dienstag, 14. Februar 2012

Tom Williams: Unlocking The Theme

Der Drehbuchautor und Blogger Tom Williams lässt uns hier an seinem Arbeitsprozess teilhaben, der damit beginnt, aus dem Fenster zu starren: Tommy Observes A Little Bird

Samstag, 4. Februar 2012

Alternative Perspektiven zur Online-Piraterie

Während die amerikanische Entertainmentindustrie durch intensive Lobbyarbeit den SOPA und PIPA act durchgebracht hat und damit nur ihre Agonie verlängert und intensiviert, brüten die Realisten schon längst an zukunftsträchtigen Modellen. Um ihren Standpunkt absteits der konservativen Demagogie, derer sie sich durch eine ältere Generation ausgesetzt sieht, besser zu verstehen, hat das FORBES-Magazine online folgenden Artikel veröffentlicht: You will never kill PIRACY will never kill you

Donnerstag, 2. Februar 2012

Andreas Ammer übers Fernsehenmachen

Für den epd gab Andreas Ammer, der für die ARD mit Denis Scheck das Literaturmagazin "Druckfrisch" macht, ein ausführliches Interview über seinen Werdegang und seine Arbeit beim Fernsehen. Nicht direkt drehbuchrelevant, aber darum nicht weniger lesenswert: http://www.epd.de/fachdienst/fachdienst-medien/schwerpunktartikel/es-gibt-starke-regeln

Freitag, 20. Januar 2012

Hulk's Screenwriting 101

Eine Leserin des Blogs hat mich per Mail freundlicherweise (Danke nochmal an dieser Stelle!) auf eine Seite hingewiesen: "Hulk's Screenwriting 101" wird von einem von sich in der dritten Person sprechendem Hulk geschrieben, der sich auf amüsante, kurzweilige Weise sehr ausführliche Gedanken zum Thema Drehbuchschreiben macht:
Präambel zum Screenwriting 101
Screenwriting 101 (1 von 2)
Screenwriting 101 (2 von 2)

Donnerstag, 12. Januar 2012

Weitere Screenwriters on Screenwriting

Die Serie der "Screenwriters on Screenwriting" -Vorlesungen, die die BAFTA veranstaltet, bekommen: Guillermo Arriaga, Charlie Kaufman, William Nicholson, Moira Buffini, John Logan, Paul Laverty und Frank Cottrell Boyce teilen ihre Ansichten über das Schreiben fürs Bewegtbild: SCREENWRITERS ON SCREENWRITING

(wieder einmal Dank an Angelika Unterholzner, für den Hinweis (über den Umweg des Scriptnote Podcasts) auf ihrem Blog FLIX )

Nachtrag: Hier ein Überblick über die drehbuchrelevanten Interviews und lectures bei der BAFTA: Craft of Screenwriting

Mittwoch, 11. Januar 2012

Writers Improv Studio

Drehbuchautorin, Produzentin, Dozentin und Buchautorin Christina Kallas lebt mittlerweile im Big Apple, wo sie sich seit neuestem für das Writers Improv Studio engagiert, wo im Rahmen von Workshops Autoren ihre Arbeit von Schauspielern produziert sehen können, um sich in öffentlichem Diskurs weiterzuentwickeln: Hier ein Interview mit Christina Kallas
(das Writers Improv Studio mag für deutsche Autoren direkt nicht ganz so interessant sein, soll aber anregen, sich für ähnliche Veranstaltungen - vor allem abseits der Filmschulen - einzusetzen).