Dienstag, 18. September 2012

Das Kleine Fernsehspiel: Lucas Schmidt im Interview

Lucas Schmidt ist seit 1997 Redakteur beim Kleinen Fernsehspiel. Neben der dramaturgischen Betreuung von Spiel- und Dokumentarfilmen ist er als Koordinator von Quantum, dem Formatlabor des Kleinen Fernsehspiels, verantwortlich für die Entwicklung neuer Fernsehformate. Zu seinen vielfach ausgezeichneten Projekten gehören aktuell die Spielfilme "Waffenstillstand" von Lancelot von Naso und "Schwerkraft" von Maximilian Erlenwein, der Dokumentarfilm "Login2Life" von Daniel Moshel sowie die internationale Koproduktion "Easy Money" von Daniél Espinosa. (via ZDF-DKF )



1. Wofür steht das DKF?
Das DKF steht für die erste Adresse in Deutschland für den Filmnachwuchs. Hier entstehen die ersten Filme. Hier starten Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler und viele andere Beteiligte ihre professionellen Karrieren.

2. Wieviele Produktionen entstehen jährlich und wieviel Sendetermine gibt es zur Zeit?
Derzeit entstehen 20 Neuproduktionen pro Jahr. Das Verhältnis von Fiktion zu Dokumentarischem ist etwa 50:50.

3. Wieviele Einreichungen pro Jahr?
Wir erhalten im Jahr zwischen 600 und 800 Einreichungen , häufig von Filmstudenten, Autoren und Regisseuren, aber auch Autodidakten.
Daneben reichen natürlich auch viele Produzenten bei uns Projekte ein. Das Verhältnis ist ebenfalls ziemlich ausgeglichen.

4. Wie sollte die Einreichung aussehen, damit sie in die engere Wahl kommt?
Es kann jederzeit eingereicht werden und zwar in jedem Stadium, sei es ein Exposé, Treatment oder ein fertiges Drehbuch. Wir bevorzugen früh in die Entwicklung einbezogen zu werden. Wichtig ist für uns auch, einen Kurzfilm oder eine vorherige filmische Arbeit des Einreichers sichten zu können. Man sollte immer nur einen Kollegen adressieren und nicht die ganze Redaktion mit Arbeit eindecken;-) Und bitte nicht per email einreichen und etwas Geduld mitbringen, da eine sorgfältige Prüfung einfach etwas Zeit braucht.

5. Da es für Autoren nichts nervenaufreibenderes gibt als auf Feedback zu warten: Gibt es offizielle Entscheidungstermine, nach denen man sich richten kann oder wie sind die üblichen Wartezeiten auf Antwort?

Man muss mit etwa 3 Monaten Wartezeit rechnen. Wenn einer der Redakteure überzeugt von einem Projekt ist, reicht er es  in die Redaktionskonferenz ein, die etwa alle drei Monate stattfindet. Dort werden alle Projekte von allen Kollegen gelesen und lektoriert und schließlich darüber abgestimmt.

6. Das Formatlabor "Quantum" ist ein Experimentierfeld für neue innovative Fernsehformate. Wie läuft da die Entscheidungsfindung ab?

Die Koordination für Quantum liegt bei Lucia Haslauer und mir (Lucas Schmidt). Gemeinsam mit der Redaktionsleiterin des Kleinen Fernsehspiels Claudia Tronnier treffen wir uns regelmäßig, bewerten eingereichte Projekte und vergeben Entwicklungsaufträge.

7. Wieviele Piloten werden jährlich produziert?
Etwa zwei pro Jahr.

8. Ist der späte Sendeplatz des DKF ein Fluch oder Segen?
Der späte Sendeplatz bedeutet in erster Linie eine große Freiheit für unsere Regisseure, ihre eigene Handschrift zu entwickeln, eben ohne großen Quotendruck. Ein Experimentierfeld. Andererseits freuen wir uns natürlich auch, wenn Produktionen des DKF auf früheren Sendeplätzen gesendet werden. Das geschieht mehrmals jährlich in unseren Highlight-Reihen "Shootingstars" und "100 % Leben" , und natürlich besonders in den Partnerkanälen wie 3sat, Arte und natürlich zdfneo und zdf.kultur. So haben wir bei zdf.kultur sogar einen festen Wiederholungstermin am Freitag zur Primetime um 20:15 Uhr.

9. Welchen Rat hast Du für die Nachwuchsproduzenten und -autoren da draußen, die sich eine Zusammenarbeit mit dem DKF wünschen?
Kenntnis des Fernsehens ist z.B. recht hilfreich ;-) Nein im Ernst: man muss sich natürlich mit den Möglichkeiten des Mediums Fernsehen auseinandersetzen.
Aber man muss auch an sein Projekt glauben und sich nicht beirren lassen von etwaigen Trends usw. sondern versuchen, sich treu zu bleiben und seinen eigenen Weg zu finden.
Und ruhig den Mut haben uns anzusprechen, dafür sind wir da.

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